Mail-Spamming - Mißbrauch des Internet?
In diesen Artikel sind Informationen aus verschiedene Quellen im Internet
eingeflossen. Weitere Informationenzum Thema Mail-Spamming sind u.A.
zu finden bei:
Rückfragen richten Sie bitte an: klaus.koehler@urz.tu-dresden.de
Was ist Mail-Spamming und welche Gegenmaßnahmen gibt es ?
Der Begriff Spamming steht für das massenhafte Senden
von E-Mails an verschiedene Adressaten (,,spam" steht für ,,vollstopfen").
Das sind unerwünschte Mails mit oft "dubiosen" Inhalt und/oder fragwürdigen
Angeboten. Eine andere Bezeichnung für diese Mails ist auch "UCE"
(Unsolicited Commercial E-Mail) oder auch "Junk E-Mail".
Diese Mails beinhalten meist Werbung privater sowie kommerzieller
Anbieter oder auch unbestellte Angebote bzw. nicht bestellte Informationen
. Die Mails werden in der Regel ohne Anforderungen verteilt und belasten
die eigene Mailbox.
Der Versand dieser Mails erfolgt nicht auf direktem Wege,
sondern meist über ein SMTP-Relay (beliebiger Mail-Server). Bei diesem
Prozeß wird häufig die Absenderadresse (Mail-Adresse und Absender-Host)
gefälscht, so daß der eigentliche Weg der Mail für den
Empfänger nicht ohne weiteres nachzuvollziehen ist.
Die Absenderadressen sind häufig nicht replyfähige
Adressen, wobei aber die Domäne existiert. Diese Vorgehen erschwert
das Festellen des Verursachers der Spamm-Mails. Hier ein Beispiel:
,,From: kie28@prodigy.com"
,,prodigy.com" ist eine gültige Angabe für eine Mail-Adresse,
aber den Nutzer ,,kie28" gibt es nicht.
Das vollständige Unterbinden von Spam-Mails
ist relativ schwer zu realisieren. Eine Voraussetzung für einen wirksamen
Schutz ist, daß das Nutzen eines Hosts als Relay für Spamming-Mails
nicht möglich ist. Einige Ansätze zu Anti-Spam-Maßnahmen
sind im folgenden aufgezählt:
-
Ein Filtern auf Absender ist deshalb schwer möglich,
weil diese Absenderinformationen häufig wechseln und unterschiedlichste
Absender mißbraucht werden (Anfang 1998 wurde häufig mit "aol.com"
als Absender gearbeitet!).
-
Ein Test der Absender an zentraler Stelle und damit ein zurückweisen
von nicht replyfähigen Mails ist nach der deutschen Rechtslage umstritten.
Das Hauptargument ist: "Die Briefpost versendet auch Briefe an Adressaten
ohne oder mit falschem Absender."
-
Das Blockieren von ausgewählten Host als Absender von
Mails wird oft praktiziert, ist aber aus meiner Sicht umstritten,
da dadurch Mails (auch sinnvolle Mails) nicht zugestellt werden. Beispiele
für diese Listen sind: "http://www.
orbs.org/" und "http://maps.vix.com/rbl/")
-
Installation eines leistungsfähigen Mailers, der Anti-Spam-Regeln
installiert hat (z. B. Send-Mail V8),
als Schutz gegen Relaying.
-
Sperren des Mailzuganges von außen und beziehen aller
Mails über ein "gesichertes" Mailrelay als Schutz gegen Relaying
(an der TU Dresden praktizierte Variante).
-
Filterregeln auf die "To: Zeile" und/oder weitere Header-Zeilen
der Nachricht - hier ein Beispiel für Netscape:
Delete
Junk E-Mail Before You See It!
Weitere Beispiele für Filter und/oder Anti-Spam-Programme auf Nutzer-
und Providerebene sind zum Beispiel unter
Spam-Blocking-Möglichkeiten (enlg.) zu finden.
Warum wird Spamming verurteilt ?
Neben den Auswirkungen auf die eigenen Mailbox durch unerwünschte
Mails spielt vor allem die Belastung der Server und des Netzverkehres
im Internet eine gewichtige Rolle. Nach Angaben von Provider verbrauchen
die SPAM-Mail etwa 20-30% der verfügbaren Bandbreite (vgl. Informationsbulletin
des DFN-CERT ).
Die Zunahme dieser Mails führt dazu, daß in der Mailbox
laufend unerwünschte Mails bearbeitet (in der Regel gelöscht)
werden müssen. Der Einsatz von Filteregeln kann aber auch zum Verlust
anderer Mails führen. Diese Belastung der Mailbox kann schnell
zumutbare grenzen überschreiten.
Diese Gründe und weitere, die aus diesen folgen, haben dazu geführt,
daß im Internet wirksame Maßnahmen gege Spamming ergriffen
werden.
Wie werden Adressaten für Werbe-Mails gefunden?
Die Adressaten der Werbe-Mails werden auf unterschiedlichem
Wege erlangt. Neben dem "Adreßhandel" werden Mail-Adressen durch
Generierung von Buchstabenfolgen erzeugt (durchprobieren von Adressen)
oder aus von entsprechenden Adreßarchiven gewonnen. Auszerdem werden
durch "scannen" von WWW-Seiten Adressinformatinen gewonnen (sogenannte
Webbots).
Beispiel Adreßhandel: Zitat aus eine Werbe-Mail:
-
"Subject: Email 57 Million People for $99
-
57 MILLION EMAIL ADDRESSES FOR ONLY $99
-
That's right, I have 57 Million Fresh email addresses that I will sell
for only $99. ..."
Beispiel zum Adreßarchiv:
Der Server "www.dejanews.com" archiviert weltweit alle News-Artikel
und damit auch die Mail-Adressen der Absender dieser Artikel. Durch entsprechende
Suchalgorithmen können auf diesem Wege Mail-Adressen erlangt werden.
Wie ist die gesetzliche Lage?
Innerhalb des deutschen Wissenschaftsnetzes ist die Verbreitung
von Werbe-Mails (Mail-Spamming) ein Mißbrauch des Netzes. Das ist
u. a. in der "Benutzungsordnung für das Zusammenwirken der Anwender
der DFN-Kommunikationsdienste" - beschlossen vom Vorstand am 16.05.1994
und in der "Richtlinie zum Datenschutz in Rechnernetzen" (der TU Dresden)
verankert.
In der deutschen Gesetzgebung ist eine abschließende
Regelung in diesem speziellen Umfeld noch nicht getroffen worden. Es wird
derzeit versucht, mit allgemeinen und damit rechtlich schwer handhabbaren
Regelungen bzw. durch entsprechende Betreiberfestlegungen (Benutzerordnungen
usw.) der Internet-Anbieter diese Forderungen umzusetzen.
International gibt es noch keine übergreifenden Vorschriften, die
den Versand von SPAM-Mails internetweit unterbinden bzw. gesetzliche Richtlinien,
die wirkungsvoll das Spamming verhindern. Einzelne Staaten (z. B. die USA)
haben bereits entsprechende Gesetze verabschiedet und wenden diese auch
an.
Beispiel eine Nachricht nach Spamming aus den USA:
"By US Code Title 47, Sec.227(a)(2)(B), a computer/modem/printer meets
the definition of a telephone fax machine. By Sec.227(b) (1)(C), it is
unlawful to send any unsolicited advertisement to such equipment, punishable
by action to recover actual monetary loss, or $500, whichever is greater,
for EACH violation."
Was sollte man bei der Nutzung des Internet beachten?
Innerhalb des Wissenschaftsnetzes ist der Vertrieb von Werbe-Mails (SPAM-Mails)
durch die entsprechenden Vereinbarungen untersagt. Wer trotzdem Werbe-Mails
vertreibt, hat mit entsprechenden Konsequenzen aus den Mißbrauchsbestimmungen
zu rechnen.
Um der Aufnahme seiner Adresse in Listen für Werbe-Mails (Spamming)
zu entgehen, sollte man folgende 4 Punkte beachten:
-
Die eigene Mail-Adresse sollte nicht unkritisch im Internet "verteilt"
werden. Geben Sie also Ihre Mail-Adresse nicht an beliebige Webseiten im
Internet weiter, um kostenlose Angebote o. ä. zu nutzen. Ein Teil
derartiger Anbieter sammelt diese Mail-Adressen und gibt diese Informationen
an Dritte weiter.
-
Falls man Werbe-Mails erhält, NIE (!) dem Absender der Werbung ein
Reply senden! Das Senden eines Reply an einen Spammer bestätigt die
Funktionsfähigkeit der Mail-Adresse und hat meistens eine Zunahme
der Spamming-Aktivitäten zur Folge. Deshalb die Beschwerden bitte
an den Postmaster der Einrichtung senden und gegebenenfalls den Postmaster
der TU Dresden (postmaster@tu-dresden.de) informieren. In diesem Zusammenhang
stets die Header-Informationen einer Mail mit angeben, damit eine Verfolgung
des Weges der Mail (und damit des Absenders) möglich ist.
-
Ein beliebtes Sammelgebiet für Mail-Adressen ist das News-System.
Wer aktiv in den News arbeitet (und damit seine Mail-Adresse in den News-Artikeln
weltweit verteilt), sollte sich nicht wundern, wenn er früher oder
später Werbe-Mails erhält. Senden Sie Ihre Antworten in den News
besser an den Absender des Artikels und gehen Sie sorgfältig mit eigenen
Postings um.
-
Als Administrator eines Mailsystems versuchen Sie Ihren Mailer gegen die
Nutzung als Relay zu schützen. Zwei Möglichkeiten sind im Text
bereits genannt worden.
-
Auf den eigenen WWW-Seiten sollte die eigen Mailadresse
nicht im Klartext (mit "mailto:") abgelegt werden. Dieses "verstecken"
der Mailadresse schützt vor der "Sammelleidenschaft" von Programmen
(sogenannten Webbots), die WWW-Seiten nach Mailadressen Scannen.
letzte Änderung: 28. 05. 1999
Klaus Köhler
Postmaster TU Dresden