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Le Théâtre médiéval
Das mittelalterliche Theater hat seinen Ursprung in der christlichen Messe. Sie war seit der Spätantike mit rituellen Handlungen verknüpft. Diese Rituale - wie sie heute noch am anschaulichsten in der griechisch-orthodoxen Kirche zu sehen sind - garantierten die Einheit von Gläubigen und Predigern sowie die emotionale Beteiligung der Christen an der kultischen Handlung. Wichtigstes Element war dabei der Wechsel von Predigt und Gesang.
Bis 811 wurden die Predigten in lateinischer Sprache abgehalten. Die Kluft zwischen dem Latein der Kirche und der Volkssprache war aber seit den karolingischen Reformen (mit der Rückbesinnung auf das klassische Latein) so groß geworden, daß die Predigten von den Versammelten nicht mehr verstanden wurden. In dieser Situation gewannen außersprachliche Mittel wie Mimik und Musik eine sehr große Bedeutung für die Einheit von Priester und Gläubigen.
Bei den Gesängen ist zwischen Séquenzen (die an feste Texte gebunden waren) und Tropen (wechselnde Lieder) zu unterscheiden. Gerade die Tropen wurden zunehmend dialogisch (im Wechsel zwischen Priester und Versammelten) gestaltet.
Eine wichtige Rolle für die Herausbildung des Theaters spielten auch die Pilgerzüge zu heiligen Orten, an denen sich Reliquien befanden. Diese Prozessionen waren von Darbietungen der Jongleure begleitet, die bei dieser Gelegenheit Legenden und Gedichte sowie Lieder vortrugen.
Außerdem entwickelte sich allmählich (wahrscheinlich zuerst in Westfrankreich) der Brauch, an bestimmten Feiertagen (vor allem Ostern und Weihnachten) die entsprechenden Teile der Bibelgeschichte mimisch nachzugestalten. Diese Tradition hat sich vor allem in ländlichen Gebieten in form von Krippenspielen zu Weihnachten bis heute erhalten.
In Frankreich, England und Deutschland sind diese Spiele ab der Jahrtausenwende belegt. Wurden die Stücke ursprünglich in lateinischer Sprache gespielt, so integrierte man zunehmend einzelne Szenen auch in der jeweiligen Volkssprache. Ebenso wurde die Handlung der Stücke durch weitere Szenen (zum Teil auch komischen Charakters) ausgebaut. Diese Entwicklung stieß auf Kritik der Kirche. Deshalb wurden die Aufführungen nun nicht mehr in der Kirche, sondern auf dem Kirchenvorplatz und später auf dem Markt durchgeführt.
Damit war zugleich der Grundstein für die Herausbildung des religiösen Theaters gelegt.
Jeu, Miracle und Mystères
Die ersten religiösen Dramen wurden als Jeu bezeichnet. Das älteste französische Jeu ist das Jeu d'Adam (Ende des 12. Jahrhunderts von einem anonymen normannischen Autor). In diesen Stücken wurden Episoden aus dem Alten oder Neuen Testament sowie Heiligengeschichten, die bereits als Miracles überliefert worden waren, gestaltet. Ab dem 13. Jahrhundert verschwand allmählich die Bezeichnung Jeu und wurde durch Miracle und Mystère ersetzt.
Die Miracles gehen auf Gegor von Tours (538/94) zurück, der 8 Bücher über das Leben von Heiligen (vor allem über den Heiligen Martin) verfaßte. Diese Heiligenlegenden wurden bald nachgeahmt. Vor allem nach der Jahrtausenwende stieg ihre Zahl beträchtlich. Jetzt entstanden auch die ersten Legendensammlungen in der Volkssprache. Mit dem Aufkommen des Marienkultes (11./12. Jahrhundert) dominierten jetzt die Miracles de Notre-Dame. Das bekannteste Werk dieser Art stammt von Gautier de Coinci (1177 oder 1178/1236), die erste dramatische Bearbeitung einer solchen Legende von Rutebeuf (gest um 1285): Le Miracle de Théophile (um 1260).
Die Bezeichnung Mystère beruht auf einer Bedeutungsüberlagerung von mysterium - Wissen, das nur Eingeweihten zugänglich ist - und ministerium - Zeremonie als kollektive Handlung. Im Unterschied zu den Miracles wurden in den Mystères (teilweise auch als Passion bezeichnet) nicht Heiligenlegenden, sondern Elemente aus der Bibel szenisch gestaltet. Dabei wurden diese Spiele immer umfangreicher. Die Aufführungen im 15. oder 16. Jahrhundert gingen zum Teil über mehrere Tage, und es kamen Hunderte von Figuren auf die Bühne. Zunehmend bemächtigten sich professionelle Schauspielgruppen dieser Aufführungen: die Confréries. Die bekannteste war die Confrérie de la passion, die im 15. und 16. Jahrhundert das Aufführungsmonopol in Paris hatte und erst 1676 aufgelöst wurde.
Die Bühne war bei diesen Stücken meist nur spärlich ausgestattet. Sie wurde rechts und links von Himmel und Hölle begrenzt. Daneben befanden sich auf der Bühne noch Aufbauten (mansiones) für weitere Orte. Die Erweiterung der Stücke war auch von einer zunehmenden technischen Perfektion begleitet: Hinrichtungen, Folterszenen, Flammen und Feuerwerk - für die Theoretiker der aristotelischen Dramatik ein Greuel - wurden ganz selbstverständlich dargestellt.
Weltliches Theater
Das weltliche Theater hat sich aus dem Unterricht in Klosterschulen sowie aus komischen Einschüben in den religiösen Dramen entwickelt. Ein wichtiges Element der theologischen Ausbildung waren neben der Lectio durch den Professor (Lektüre und Kommentar eines Textes) die Disputatio. Dabei mußten die Schüler zu einem Problem verschiedene Auffassungen vortragen. Diese Streitgespräche wurden dann, so ist zu vermuten, außerhalb des Unterrichts durch die Schüler nachgeahmt und parodiert, indem nun über ganz profane Themen debattiert wurde. Diese lustigen Streitgespräche verselbständigten sich und fanden bald ihren Platz bei öffentlichen Aufführungen. Dabei wurden Stoffe antiker Komödien ebenso aufgegriffen wie deftige Geschichten aus den Fabliaux.
Im 15. Jahrhundert entstanden eine ganze Reihe von Genres der weltlichen Komödie. In der Sottie ware die Schauspieler in Narrenkostüme gekleidet und stellten Zeitereignisse satirisch dar. Die Sermons joyeux waren Parodien auf Predigten. In den Moralités wurden didaktische Stoffe satirisch bzw. komisch behandelt. Die Farce ging aus komischen Einlagen der religiösen Dramen hervor. Sie steht thematisch den Fabliaux besonders nahe. Berühmtestes Beispiel ist die Farce de Maître Pathelin (um 1465).
Literatur:
Konzeptionelle und inhaltliche Gestaltung der Seite: Dr. Roberto Mann und Dr. Olivier Podevins
CIFRAQS
3.11.2003