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Lais

Die Lais stehen in einer langen keltischen Tradition. Es waren ursprünglich mündliche Erzählungen, die auf die keltische Sagenwelt zurückgriffen. Der Kontakt der französischen Kultur mit der keltischen Welt wurde durch die Jongleure hergestellt.

Lais sind kurze Geschichten in achtsilbigen paarweise gereimten Versen (zwischen 100 und 1000 Versen). Überliefert wurden etwa 35 bis 40 Lais, die meisten davon anonym. Erzählt werden darin Abenteuer (aventures) und Liebesgeschichten, die in eine märchen- bzw. feenhafte Welt eingebettet sind. Die Lais wurden laut bei Hofe vorgelsen und mit Harfenmusik begleitet. Später wurde der Begriff - dank der Popularität des Genres - zunehemend inflationär zur Bezeichnung unterschiedlichster Erzähltexte verwendet.

Die bekannteste Autorin von Lais ist Marie de France (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts). Sie lebte am Hof des englischen Königs Heinrich II (Plantagenêt), der damals ein kulturelles und literarisches Zentrum war. Von ihr sind ca. ein Dutzend Lais überliefert. Neben den Lais übersetzte und überarbeitete sie eine Sammlung von Fabeln Äsops und schrieb eine Verserzählung: Le purgatoire de Saint Patrice.

Im Lanval von Marie de France wird die Geschichte des gleichnamigen Ritters erzählt, der an einem Fluß (der Grenze zur jenseitigen Welt) Jungfrauen trifft, die ihn zu ihrer Herrin, der schönsten Frau der Welt, führen. Lanval muß jedoch schwören, daß er das Geheimnis ihrer Liebe bewahrt. Zurückgekehrt an den Hof des Königs Arthus, wird er von Guenièvre, der Königin, begehrt. Er weist sie zurück, indem er sagt, er liebe bereits die schönste Frau der Welt. Er wird wegen Beleidigung der Königin verurteilt. Die schöne Fee rettet ihn jedoch und entführt ihn in ihr Zauberreich.

Weitere berühmte Lais von ihr sind Guigemar, Bisclavret oder Le Chèvrefeuille.

Ein anderer bekannter Verfasser von Lais ist Renaud de Beaujeu. Im Lai d'Ignautes tritt ein Verführer auf, der durch seine Opfer zum Tode verurteilt, aber durch die Liebe einer Frau gerettet wird. Der Ehemann erfährt von der Liebe, tötet Ignautes und setzt das Herz des Toten seiner Frau zur Speise vor.

Literatur:


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CIFRAQS

3.11.2003