| Histoire: | Littérature: | Langue | Généalogies | Liens | |
| Chronologie
Mérovingiens |
Chronologie |
||||
Aufstieg und Herrschaft der Kapetinger bis zum Beginn des Hundertjährigen Krieges
I) Der Aufstieg der Robertiner/Kapetinger im 9. und 10. Jahrhundert
Die Geschichte der Kapetinger geht auf Robert le Fort zurück, der vom westfränkischen König Charles le Chauve die Grafschaft Tours mit dem Auftrag erhielt, das Reich gegen die Überfälle der Normannen zu sichern. Robert starb 866 und hinterließ seinen Söhnen Eudes und Robert nur ein kleines Reich, das ehemalige Neustrien. Eudes erhielt 882 die Grafschaft Paris. Er organisierte drei Jahre später erfolgreich den Widerstand der Stadt gegen die normannische Belagerung. Als Gegenleistung bekam er vom karolingischen König Charles le Gros eine Reihe weiterer Grafschaften. Wegen seiner militärischen Verdienste bei der Verteidigung von Paris wurde er 888 sogar durch die Aristokratie zum König gewählt. Er war damit der erste robertinische König (das Geschlecht wurde nach Robert le Fort benannt). Allerdings herrschte er real nur über ein kleines Gebiet zwischen Seine und Loire.
Sein Sohn Hugues le Grand herrschte zwischen 923 und 956. Er vergrößerte das robertinische Herrschaftsgebiet nach Norden und Osten (in Richtung Sens und Auxerre). Unter Hugues le Grand umfaßte das Gebiet der Robertiner bereits 20 Grafschaften, darunter Tours, Autun, Blois, Paris. Dies war ein wirtschaftlich besonders prosperierendes Gebiet. Außerdem waren alle Abteien von ihm abhängig. Nachdem er auch die Leitung der Stiftskirche Saint-Martin de Tours übernahm, in der sich der Mantel des Heiligen Martin als Reliquie befand, erhielt er den Beinamen Hugues Capet. Nach ihm wurden dann alle Herrscher Kapetinger genannt.
Hugues Capet trotzte dem karolingischen König Louis IV d'Outremer und legte sich den Titel "Dux Francorum" zu, der seinen Herrschaftsanspruch unterstrich. Bei seinen Auseinandersetzungen mit Louis IV wurde er vom deutschen Herrscher Otto I, dessen Schwester er heitratete, unterstützt. Im Jahre 954 bestieg Lothaire III als neuer karolingischer König den Thron. Zwei Jahre danach starb Hugues Capet und hinterließ einen 15jährigen Sohn (Hugues). Es kam in den folgenden Jahren zur Auseinandersetzung zwischen Lothaire III, Hugues und Otto I. der sich 962 zum Kaiser krönen ließ. 986 starb Lothaire III. Sein Nachfolger Louis V starb ebenfalls, so daß Hugues Capet 987 zum neuen westfränkischen König gewählt wurde.
Ende des 10. Jahrhunderts umfaßte das königliche Herrschaftsgebiet nur ein kleines Gebiet um die heutige Ile-de-France. Die Gebiete im Norden, Süden und Westen waren im Prinzip unabhängig. Andererseits hatten die ersten kapetingischen Könige die Kirche hinter sich (zum Beispiel den Erzbischof von Reims, der auch alle Könige salbte). Um ihre Herrschaft dauerhaft zu sichern, setzten die Kapetinger die Vererbbarkeit der Dynastie durch. Außerdem wurde es seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts im Königshaus und auch in allen großen Grafschaften und Fürstentümern Brauch, daß das Erbe nicht mehr unter allen Kinder verteilt wurde, sondern nunmehr nur noch an den Erstgeborenen Sohn weitergegeben wurde. Damit wurde einer territorialen Zerstückelung des eigenen Herrschaftsgebietes engegengewirkt.

II) Die innenpolitische Ausgangssituation im 11. Jahrhundert in Frankreich:
Unter den ersten 4 kapetingischen Königen (Hugues Capet - 987/996, Robert II le Pieux - 996/1031, Henri I - 1031/1060 und Philippe I - 1060/1108) umfaßte die königliche Domäne nur einen Bruchteil des Königreiches Frankreich (vor allem im Gebiet der heutigen Ile-de-France). Es war eine Zeit der Regionalisierung der politischen Macht. Selbst die einstigen großen Fürstentümer zerfielen in immer mehr selbständige feudale Gebiete. Die wichtigsten Grafschaften bzw. Herzogtümer im 11. Jahrhundert waren:
- die Grafschaften von Flandern, Vermandois, Champagne, Bretagne, Anjou, Blois, Nevers, Auvergne, Toulouse und Barcelone
- die Herzogtümer Normandie, Bourgogne, Guyenne und Gascogne
- das Marquisat Gothie (heutiges Languedoc).
Dazu kamen die königliche Domäne (im wesentlichen die heutige Ile-de-France) sowie kirchliche Besitztümer (Seigneuries ecclésiastiques).
Die Grafschaften und Herzogtümer waren aus den Fürstentümern des 9. Jahrhunderts hervorgegangen. Dabei waren sie selbst wieder in unzählige Herrschaftsgebiete einzelner Burgherren (châtelains) zerklüftet. Nur den Grafen der Normandie, Barcelonas und Flanderns gelang es, die volle Herrschaft über ihr Gebiet zu behaupten. Die Burgen waren ursprünglich an strategisch wichtigen Positionen der großen aristokratischen Besitztümer errichtet worden. Seit 1030/50 setzte dann der Prozeß der Verselbständigung der Châtelenies ein, von denen es Ende des 11. Jahrhunderts ca. 100 gab.
Der Bau einer Burg war sehr teuer und insofern Zeichen eines politischen und sozialen Prestiges. Nur Vertreter der oberen Schichten der Aristokratie waren dazu in der Lage. Die Herren der Burg übten ihre Herrschaft auf die umliegenden Gebiete aus. Das betraf sowohl die Gerichtsbarkeit als auch den Frondienst der Bauern und das ökonomische Monopol (zum Beispiel zur Jagd, zum Getreide mahlen usw.). Im Dienste der Burgherren standen dann wieder die Ritter (Chevaliers), die meist aus der mittleren Aristokratie kamen.
III) Die Auseinandersetzungen mit den Plantagenêts
Im Jahre 1166 hatten die Normannen unter Guillaume de Conquérant England erobert. Nach dem Tod Guillaumes (1087) wurde sein Reich unter den beiden ältesten Söhne aufgeteilt: Robert Courteheuse erhielt die Normandie und Guillaume le Roux England. Robert zog dann ins "Heilige Land" und überließ Guillaume die Normandie. Nach dem Tod von Guillaume (1100) erbte der dritte Sohn von Guillaume le Conquérant (Henri I Beauclerc) das wiedervereinte Reich der Normannen. Unter seiner Herrschaft gelang es, das Reich zu stabilisieren. Es kam zur Aussöhnung zwischen der normannischen und angelsächsischen Bevölkerung, wobei die Kirche eine große Rolle spielte. Außerdem wurden die wichtigsten rebellierenden Châtelains besiegt und unterworfen. Das normannische Reich zählte damit zu Beginn des 12. Jahhrunderts zu den wenigen Grafschaften/Herzogtümern, die straff zentral verwaltet wurden.
1120 starb der einzige Sohn Henri I auf dem Meer. So wurde die Tochter Mathilde mit Geoffroy Plantagenêt, dem Grafen von Anjou verheiratet. Damit begann die Herrschaft der Plantagenêts über England und später auch weite Teile Frankreichs. Die stellten die größte Herausforderung für die kapetingischen Könige dar. Nach dem Tod von Henri I (1135) kam es zum Erbfolgekrieg zwischen Geoffroy Plantagenêt und Etienne de Blois, einem Neffen Henri I, der die Ansprüche der Plantagenêts bestritt. Als Folge des Krieges wurde das Reich erneut geteilt: Etienne erhielt England und Geoffroy die Normandie.
Nach dem Tod Geoffroy Plantagenêts (1151) erbte sein Sohn Henri II die Normandie, Anjou, Maine und die Tourraine. Durch die Hochzeit mit Aliénor d'Aquitaine (nach ihrer Trennung vom französischen König Louis VII) 1152 erwarb er die Aquitaine. 1154 wurde Henri II schließlich auch König Englands. 1158 erwarb er die Grafschaft Nantes. Bei seinem Tod (1189) war somit ein mächtiges Reich entstanden, das England und weite Gebiete Westfrankreichs umfaßte. Zwar waren die Plantagenêts formell Vassallen des französischen Königs, real verfügten sie aber über weitaus mehr Macht.
Die Auseinandersetzung zwischen den Kapetingern und den Plantagenêts erreichte ihren Höhepunkt unter der Herrschaft von Philippe Auguste zwischen 1180 und 1225. Nach dem Tod von Henri II hatte Richard Cur de Lion den englischen Thron bestiegen. Gegen ihn richtete sich Philippe Auguste. Er erlitt aber 1194 eine Niederlage. Zur Sicherung seiner normannischen Besitzungen ließ Richard Cur de Lion das Château Gaillard bauen. Er schloß auch ein Bündnis mit dem deutschen Kaiser und dem Grafen von Flandern gegen die französische Krone. So kam es 1199 zu einer neuen Niederlage Philippe Augustes.
1199 starb Richard Cur de Lion, ohne einen Erben zu hinterlassen. Nun erhoben Jean (sans Terre) und Arthur de Bretagne Anspruch auf den englischen Thron und das Reich der Plantagenêts. Philippe Auguste unterstützte Arthur de Bretagne. Es kam zum Krieg zwischen Philippe Auguste und Jean sans Terre. 1202 eroberten die Kapetinger die Normandie. Zwei Jahre später kapitulierte das Château Gaillard. Es folgte die Eroberung Anjous und Maines. Den Plantagenêts verblieb in Frankreich schließlich nur noch die Aquitaine. 1214 versuchten die Plantagenêts, ihre verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Dabei schlossen sie wieder ein Bündnis mit dem Kaiser und dem Grafen von Flandern. In der Entscheidungsschlacht von Bouvines (1214) wurden sie aber vernichtend geschlagen. Damit war es den Kapetingern gelungen, die Herrschaft über weite Teile des Reiches der Plantagenêts in Frankreich zu erlangen.
IV) Die letzten Kapetinger-Könige und der Beginn des Hundertjährigen Krieges
Nach dem Tod von Philippe Auguste 1225 folgte Louis IX (Saint-Louis) auf den französischen Thron und herrschte bis 1270. Mit ihm erreichte der Glanz des französischen Königtums seinen Höhepunkt. Bis zu seiner Volljährigkeit 1235 herrschte aber Blanche de Castille als Regentin. In den Jahren 1241/42 schlug er einige Revolten von Grafen im Süden und Westen nieder. 1248 beteiligte er sich am Kreuzzug ins Heilige Land, der jedoch mit einem Mißerfolg endete. Louis IX geriet in Gefangenschaft und mußte mit einem Lösegeld freigekauft werden.
Zu seinen wichtigsten außenpolitischen Aktivitäten zählte der Vertrag von Paris 1259 mit dem englischen König, der Saint-Louis zum "Befrieder" machte. Darin wurde festgelegt, daß der englische König Guyenne, alle Diozösen in Limoges, Cahors und Périgueux sowie eine Geldsumme zum Unterhalt von 500 Rittern erhielt. Außerdem wurde ausgehandelt, daß der englische König automatisch Herrscher über die Saintonge und das Agenais wurde, wenn Alphonse de Poitiers ohne Erben blieb. Dafür verzichtete der englische Monarch auf die Normandie und die Grafschaften Anjou, Touraine, Maine und Poitou und erkannte sich für alle kontinentalen Besitzungen als Vassall des französischen Königs an. Mit diesem Vertragswerk waren im Prinzip die Konflikte mit den Plantagenêts beigelegt.
Bereits 1 Jahr zuvor hatte Louis IX einen Vertrag mit dem König von Aragon in Corbeil unterzeichnet. Darin verzichtete Frankreich auf das Roussillon und Katalonien (die alte Markgrafschaft Barcelona) und Aragon verzichtete im Gegenzug auf alle Rechte in der Grafschaft Toulouse. Auf Louis IX. folgten 1270-1285 Phlilippe III (le Hardi) und 1285-1314 Philippe le Bel. Philippe le Bel setzte sich zunächst mit dem Papst Bonifazius III und dann mit dem Grafen von Flandern auseinander.
Der Konflikt mit dem Papst hatte seine Ursache in finanziellen Problemen des Königs, der Anspruch auf den Kirchenzehnt erhob. Nachdem der Papst diesen Anspruch zurückgewiesen hatte, verbot der König die Geldausfuhr und behinderte damit das Eintreiben der Steuern für die Kurie in Rom. Bereits 1301 kam es erneut zum Konflikt, als der Papst ohne Einwilligung des Königs den Bischof von Pommiers einsetzen wollte, den der König verhaften ließ und des Verrats bezichtigte. Höhepunkt war dann das Attentat von Agnani auf den Papst 1303, an dessen Folgen er starb.
Gegen den Grafen von Flandern errang Philippe le Bel nach einer Niederlage 1302 bei Courtrai 1304 einen militärischen Sieg. Im Ergebnis dessen wurden die Châtelainnies Lille, Douai und Béthune der Krondomäne einverleibt. Zur gleichen Zeit vollzieht sich auch die Verschmelzung zwischen Nord- und Südfrankreich, das nach den Kreuzzügen gegen die Albigenser und dem Tod Alfons' von Poitiers (1271) etappenweise der französischen Krone angeschlossen wird.
In die Regierungszeit Philippe le Bels fiel auch die Auflösung und Verfolgung des Templerordens. Dieser Orden verfügte in ganz Europa über große Ländereien und großen Reichtum. Er hatte sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu einer Art Bank entwickelt und wurde teilweise sogar mit der Betreuung des königlichen Schatzes beauftragt. Die Templer standen aber in Frankreich (wie auch in anderen Ländern Westeuropas) in schlechtem Ruf. Man warf ihnen Sodomie, Trinkerei und Völlerie sowie die Plege von häretischem Gedankengut vor. 1312 ließ Philippe le Bel alle Güter der Templer konfiszieren, nachdem deren führende Vertreter verhaftetb wurden und unter der Folter alle Anschuldigungen bestätigt hatten.
Eine in Hinblick auf den Hundertjährigen Krieg folgenschwere Entscheidung war die Verheiratung von Philippes Tochter Isabelle mit dem englischen König Edouard II, mit der das Abkommen von 1259 bekräftigt werden sollte.
Die letzten kapetingischen Könige Louis X le Hutin (1314/1316) und Philippe V le Long (1316/1322) und Charles IV (1322/1328) hatten sich bereits mit dem wachsenden Widerstand des Provinzadels auseinanderzusetzen, der gegen die zunehmende Zentralisierung der Königsmacht Kräfte mobiliserte.
Charles IV starb 1328, ohne einen Erben zu hinterlassen. Der französische Adel wählte darauf Philippe VI de Valois zum König und es begann die Herrschaft des Hauses Valois. Zum Konflikt mit England mußte es kommen, weil der englische König Edouard III ja selbst aus der Linie der Kapetinger stammte, denn seine Mutter Isabelle war die Tochter Philippe le Bels. Zunächst schwor der 1329 dem französischen König den Treueeid wegen seiner kontinentalen Besitzungen (Guyenne). Aber als England in einen Krieg mit den aufständischen Schotten, traditionellen Verbündeten Frankreichs, verwickelt wird und Frankreich England seine Unterstützung versagte, kam es zum Krieg um die Thronfolge, der sich dann mit vielen Unterbrechungen zwischen 1337 und 1475 erstreckte und als "Hundertjähriger Krieg" in die Geschichte einging.

Konzeptionelle und inhaltliche Gestaltung der Seite: Dr. Roberto Mann und Dr. Olivier Podevins
CIFRAQS
27.10.2003