„Ich möchte mich mal informieren.“ – Der Stellenwert von
Information in der persönlichen Studienberatung
„Ich möchte mich mal über das Lehramtsstudium informieren.“ In
dieser Art wird oftmals die Bitte um einen Termin für eine
individuelle Studienberatung geäußert. Um sich zu informieren,
gibt es allerdings auch eine Reihe von anderen Angeboten: die
Informationsschriften zu allen Studiengängen im Internet,
Informationsveranstaltungen, das Studieninfozentrum, ... Warum
also Beratung?
Wie der Wunsch nach Beratung verstanden werden kann und wie ich
in der Beratung diesem Anliegen entspreche, ohne Beratung auf
Information zu reduzieren, möchte ich im Folgenden
ausführen.
Information scheint zunächst so eine Art Zauberwort zu sein.
Über die richtige Information zur richtigen Zeit zu verfügen,
gilt als die Eintrittskarte in die Welt schlechthin. Wir leben
in einer Informationsgesellschaft. Information kommt ein hoher
Wert zu. Niederschlag findet das in einer immensen
Informationsflut, mit der die Studieninteressierten in
Vorträgen, Broschüren und dem Internet konfrontiert werden.
Gibt man beispielsweise bei google „Lehramtsstudium“ ein, führt
das zu 366 000 Treffern. Natürlich ist Information in der
Studienorientierungsphase wichtig. So sollten
Studieninteressierte über grundlegende Studieninhalte Bescheid
wissen, mögliche Berufsfelder nach dem Studium kennen und über
die Modalitäten einer Bewerbung informiert sein. Oftmals
entsteht jedoch der Trugschluss, dass sich aus den richtigen
Informationen in ausreichender Menge die Studienentscheidung
zwangsläufig ergeben könnte. Mittels Information lassen jedoch
nur die verschiedenen Möglichkeiten und die Wege dorthin näher
beleuchten. Die Entscheidung selbst erfordert den aktiven
Schritt der Wahl. Sie ergibt sich nicht aus der
Information.
Im Prozess der Studienwahl verwenden Studieninteressierte in
der Regel viel Energie dafür, Informationen zu sammeln. Zu kurz
kommt dabei meist die Verknüpfung der Informationen mit den
persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen. Die
Informationen bleiben unverbunden mit der eigenen Person und
würden doch gerade durch das Ins-Verhältnis-Setzen mit den
eigenen Vorstellungen an Wert für die Studienentscheidung
gewinnen.
Genau an dieser Stelle kann Beratung ansetzen, indem sie
Verknüpfungsarbeit zwischen den gewonnenen Informationen und
den eigenen Wünschen und Bedürfnissen des Ratsuchenden leistet.
Als Beraterin kann ich Ratsuchende anregen und ermutigen,
sowohl die im Vorfeld der Beratung bekommenen als auch die in
der Beratung neu erhaltenen Informationen auf ihren subjektiven
Bedeutungsgehalt zu untersuchen. Dieser schließt immer auch
emotionale Anteile ein. Was z.B. bedeutet es für den
Ratsuchenden, dass „Germanistik so Viele studieren“, wie er
gehört hat? Es kann sich herausstellen, dass es seine Sorge
ist, als Einer von Vielen nicht wahrgenommen zu werden oder als
Einer von Vielen später keine Arbeit zu bekommen. Für die
Beratung kann dann „Ich unter Vielen“ zum Thema werden. Wird
dem Ratsuchenden das ganz persönliche Interesse an der
Germanistik deutlich, bekommt der Umstand, dass Viele
Germanistik studieren, eine ganz andere persönliche Bedeutung
als wenn ihm deutlich wird, dass er eigentlich gar kein eigenes
Interesse an der Germanistik hat. So kann sich aus dem
Beratungsanlass „Information“ eine tiefergehende persönliche
Auseinandersetzung mit dem Thema Studienwahl ergeben.
Das möchte ich noch an einem weiteren Beispiel deutlich machen:
Insbesondere für die geisteswissenschaftlichen
Studienrichtungen stellen Studieninteressierte häufig die
Frage: „Was kann man denn später anfangen mit – zum Beispiel -
einem Kunstgeschichtsstudium“. Dann frage ich zunächst zurück:
„Was haben Sie denn für Vorstellungen?“ Damit entsteht zunächst
Raum für die Wünsche, aber auch Befürchtungen des Ratsuchenden
in Bezug auf seine berufliche Zukunft. Es könnte sich auch
zeigen, dass noch weitere Studienmöglichkeiten zu den
beruflichen Zukunftsvorstellungen des Ratsuchenden passen –
beispielsweise ein Architekturstudium.
Nach der Thematisierung der Vorstellungen des Ratsuchenden von
seiner beruflichen Zukunft, kann ich ihn auch noch auf weitere
potenzielle Berufsfelder hinweisen. Meine Erfahrung ist jedoch,
dass die Ratsuchenden diese Informationen meistens schon im
entsprechenden Informationsblatt nachgelesen haben. Hier ist es
hilfreich, durch die Frage „Wie klingt das für Sie?“ die
persönliche Ebene wieder mit einzubeziehen. So können in einem
Dialog von Frage und Rückfrage die Informationen immer wieder
in Relation zur persönliche Bedeutungsebene gesetzt und in
diese integriert werden.
Für die Planung weiterer Schritte auf dem Weg zu einer
Studienentscheidung ist es ebenfalls hilfreich, wenn sich der
Ratsuchende darüber klar wird, welche Informationen er für
seine Entscheidung benötigt. Aus „Ich werde mich auch mal noch
über das Architekturstudium informieren“ kann zum Beispiel
werden „Ich frage mal im Fachbereich nach, wie groß der Anteil
des freien künstlerischen Gestaltens und Entwerfens im
Architekturstudium ist.“
Resümierend lässt sich festhalten, dass Information einen hohen
Stellenwert in der Beratung hat. Das besondere Potenzial von
Beratung liegt jedoch darin, dass ein Prozess des
Sich-zu-eigen-Machens von Informationen angeregt und begleitet
werden kann. Damit bekommt der Ratsuchende im Prozess der
Informationsgewinnung und -verarbeitung eine aktivere Rolle: er
lässt sich nicht von der Informationsflut überrollen, sondern
nutzt Information gezielt. Er gewinnt an
Informationskompetenz.
Cornelia Blum, Zentrale Studienberatung