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Vorstellung

Das Maria-Reiche-Förderprogramm richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen, die eine Habilitation oder eine gleichwertige Qualifizierung anstreben.
Die Förderung erfolgt in zwei Förderlinien:

  • In Förderlinie 1 wird bei Beantragung eines Projektes die Nachwuchswissenschaftlerin mit einem Stipendium bzw. einer halben Stelle unterstützt, wenn das Projekt zu einer Universitätslaufbahn (Habilitation, Nachwuchsgruppenleiterin) befähigt.
  • In Förderlinie 2 wird ein Stipendium bzw. eine halbe Stelle vergeben, um eine Habilitation zum Abschluss zu bringen.

Bisher wurden elf Nachwuchswissenschaftlerinnen in das Maria-Reiche-Förderprogramm aufgenommen.

Kurzbeschreibungen einiger geförderte Projekte

FÖRDERLINIE 1

Dr. rer. medic. Dipl. Psych. Ilona Croy
Universitätsklinikum Dresden
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Aufmerksamkeit auf Gerüche

Das Riechsystem ist eines der evolutionär ältesten Sinnessysteme und bietet phantastische Möglichkeiten, die ganz basale menschliche Umweltwahrnehmung zu untersuchen. In meiner bisherigen Arbeit habe ich mich gemeinsam mit der Univ. Klinik für Psychosomatik und dem interdisziplinären „Zentrum für Riechen und Schmecken” damit beschäftigt, wie die Riechwahrnehmung in Anhängigkeit vom Befinden der Personen variiert. Dabei zeigt sich im Zusammenhang mit der Posttraumatischen Belastungsstörung eine erhöhte Aufmerksamkeit auf potentiell gefährliche Gerüche; im Zusammenhang mit depressiven Störungen eine verminderte Riechleistung, die mit einer Reduktion des Volumens am Riechkolben einhergeht. Im Kontrast dazu fand sich eine erhöhte Riechsensitivität bei besonders sozial verträglichen Menschen. Dazu passend zeigen Menschen, die von Geburt an nicht riechen können, erhöhte Ängstlichkeit in sozialen Situationen. Das olfaktorische System ist nicht nur wichtig für die Wahrnehmung von sozialen Reizen, sondern Gerüche haben auch eine Warnfunktion. Sie machen uns auf potentiell krankheitserregende Substanzen aufmerksam, indem Ekel ausgelöst wird. Wir konnten in zwei Studien feststellen, dass Ekel bevorzugt über das olfaktorische System ausgelöst wird.

Mit der großzügigen Unterstützung durch das Maria-Reiche-Stipendium möchte ich im weiteren untersuchen, welche Charakteristika die Aufmerksamkeit gegenüber potentiell gefährlichen Stimuli modulieren und wie genau die olfaktorischen Stimuli beschaffen sein müssen um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

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Dr. Katrin Pittius
Philosophische Fakultät
Institut für Soziologie

Im Rahmen der durch das Maria-Reiche-Programm geförderten Post-Doc-Phase wird ein Antrag für ein soziologisches Forschungsvorhaben mit interdisziplinären Anknüpfungspunkten erstellt, der am Ende der Förderphase eingereicht wird. Das Projekt knüpft an vorangegangene eigene wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen an. Angestrebt wird eine empirische qualitative Studie, die in den Forschungsfeldern Familie und Geschlecht verortet sein wird.

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Dr. Ramona Sickert
Philosophische Fakultät
Institut für Geschichte

Antijudaistische Tierdarstellungen im Mittelalter

Im Rahmen des Maria-Reiche-Stipendiums soll die Beantragung einer eigenen, drittmittelgeförderten Stelle im Förderzeitraum vorbereitet werden. Geplant ist die detaillierte Ausarbeitung eines Forschungsprojektes, das sich der Untersuchung pejorativer Kennzeichnungen von Juden in vormodernen Bild- und Textquellen widmet. Zentraler Gegenstand hierbei wird der im Hinblick auf antijudaistische Motive noch längst nicht zur Gänze wissenschaftlich erschlossene Symbolgehalt von Tieren sein. Das Interesse richtet sich auf das Potential von Tieren als Medium der strukturierten Wahrnehmung und Deutung und als Mittel der Polemik und Diffamierung im Kontext des mittelalterlichen Antijudaismus. Über die Ebene der Tiersymbolik hinaus wird ein Schwerpunkt auf der Frage liegen, welche konkreten Folgen diese Wahrnehmungen für Juden im Mittelalter zeitigen konnten und welche Rolle die Symbolwirkung von Tieren bei Juden diffamierenden Ritualen und Rechtspraktiken wie etwa dem Hängen mit Hunden („Judenstrafe“) oder dem Ritual des Schwörens auf einer Tierhaut („Judeneid“) spielte. Das Projekt wird einen Beitrag zur Erforschung des mittelalterlichen Antijudaismus und zugleich der historischen Wurzeln des neuzeitlichen Antisemitismus leisten und darüber hinaus zur Analyse der Wahrnehmungsgeschichte von Juden im Mittelalter beitragen.

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Dr. Dagmar Voigt
Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften
Institut für Botanik
dagmar.voigt@tu-dresden.de

Biomechanische Wechselwirkungen zwischen Kulturpflanzen und assoziierten Arthropoden

Interaktionen zwischen Pflanzen und Arthropoden spielen eine Schlüsselrolle beim Befall von Pflanzen mit Phytophagen und deren Regulation durch ihre natürlichen Gegenspieler. Dabei treten direkte und indirekte Effekte auf, wobei erstgenannte biophysikalischer und letztere vorwiegend biochemischer Natur. Während die biochemischen Effekte bislang sehr ausgiebig in umfassenden Studien berücksichtigt wurden, liegen für physikalische Wechselwirkungen zwischen Pflanzenoberflächen und Arthropoden nur vereinzelte experimentelle Nachweise vor.

Frühere Studien zeigen, dass Arthropoden von der Beschaffenheit der Oberfläche, auf der sie sich bewegen, signifikant beeinflusst werden. Diese Arbeiten konzentrierten sich überwiegend auf ein Insekt-Pflanze-Paar oder wenige ausgewählte Arten und künstliche Testsubstrate vorrangig im Kontext von funktioneller Morphologie und Bionik. Bereiche wie Ökologie, Koevolution, Pflanzenschutz und Pflanzenzüchtung blieben weitgehend unberücksichtigt. Erste Ansätze solcher ganzheitlichen, umfassenden Studien erfolgten in der eigenen Diplomarbeit (2000-2002) und Promotionsarbeit (2002-2005) über räuberisch lebende Weichwanzen im Botanischen Garten der TU Dresden und weiterführenden Studien (2006-2012). Inwieweit sorten- und genotypische Unterschiede von Pflanzenoberflächen in Insekten-Pflanzen-Interaktionen eine Rolle spielen ist bisher nicht detailliert systematisch untersucht und Ziel des angestrebten Projekts.

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Dr. Antje Zehm
Fakultät Forst-, Geo-, Hydrowissenschaften
Institut für Abfallwirtschaft und Altlasten

Ökologisches Risikomanagement in der Kreislaufwirtschaft

Ziel des Forschungsvorhabens ist es ein interdisziplinär arbeitendes Nachwuchsforscherteam aufzustellen, dieses zu leiten und durch breit aufgestellte Forschungsansätze eine Methodik zur Erstellung eines ganzheitlichen, ökologischen Risikomanagements der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.

Ergebnis der Habilitation soll eine detaillierte ökologische Risikoanalyse und -bewertung eines beispielhaft gewählten Produktlebenszyklus sein (z.B. Kunststoffe), anhand dessen das generelle Vorgehen einer solchen Analyse und Bewertung dargestellt wird und auf beliebige Produkte übertragen werden kann. Damit wird wissenschaftliches Neuland betreten, da eine solche ganzheitliche Betrachtung von der „Wiege bis zur Bahre“ bei Produkten mit einer Vielzahl von Zusatzstoffen/Additiven, wie bspw. Kunststoffprodukten, einer aufwendigen Recherche inkl. umfangreicher laboranalytischer Untersuchungen bedarf und eine Vielzahl von möglichen Stoffflüssen berücksichtig werden muss. Das damit einhergehende ökologische Risiko ist schwer zu ermitteln, was Grund dafür ist, dass bisherige Risikoabschätzungen sich meist nur auf einen Schritt in der Prozesskette beziehen. Aus den Betrachtungen wird ein Erkenntnisgewinn zur Verbesserung des risikobasierten Umweltmanagements in der Kreislaufwirtschaft erwartet, welcher dazu beitragen kann, nachhaltig die Anreicherung diverser Substanzen in Recycling- und Verwertungspfaden zu minimieren bzw. das zu erwartende Risiko für die Umwelt transparent zu machen.

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FÖRDERLINIE 2

Dr. Susanne Müller-Bechtel
Philosophische Fakultät
Institut für Kunst- und Musikwissenschaft

Die akademische Aktstudie (1680-1830) (Arbeitstitel)
(Habilitationsvorhaben Kunstgeschichte)

Das Forschungsvorhaben versucht eine historisch kritische Bestimmung der Rolle der Aktstudie, nicht nur als Qualifikationsschritt in der Ausbildung, sondern als geschätzte Praxis reifer akademischer Künstler, die sich so als wissenschaftliche Künstler ausweisen konnten. Im Modus der akademischen Aktstudie impliziert war die Beherrschung der anatomisch korrekten Wiedergabe des Körpers, die Beachtung des Blickwinkels des Zeichners auf das Modell mit allen Konsequenzen für verkürzte Körperteile und die technisch versierte Modellierung der Muskeln. Das systematische Studium des menschlichen Körpers am lebenden (männlichen) Modell stellt eine der grundlegenden Errungenschaften der Akademien dar.

Die Untersuchung der Aktstudien berührt zentrale Themen der frühneuzeitlichen Kunstpraxis (Zeichnung, Ideenlehre, Theorie der Nachahmung von Natur und Kunst, Menschenbild, Sammel- und Reproduktionskultur, Entwurfspraxis, Theorie der Historienmalerei). Der gewählte Zeitraum setzt bewusst im internationalen Spätbarock ein, der wesentlich zur Normierung dieser künstlerischen Aufgabe beitrug, und endet im mittleren 19. Jahrhundert, um den Veränderungen während der „Sattelzeit“ nachgehen zu können, bevor das neue Medium Fotografie weitere Veränderungen bewirkte. Ziel der Untersuchung ist die Erkenntnis von Form und Funktion der Aktstudie in ihrem sich verändernden alltäglichen Gebrauch im Prozess der Intellektualisierung, Normierung und Transformierung der Historienmalerei in der (Frühen) Neuzeit. (Webseite zum Projekt)

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Dr. Regine Ortlepp
Fakultät Bauingenieurwesen
Institut für Massivbau

Untersuchungen zur Bestimmung der Oberflächengeometrie und Kraftübertragung über raue Betonoberflächen ohne zusätzliche Bewehrung (Arbeitstitel)
(Habilitationsvorhaben Konstruktiver Ingenieurbau)

Im Zuge von Instandsetzungs- und Sanierungsaufgaben im Bauwesen ist es oftmals erforderlich, vorhandene Betonquerschnitte durch neuen Beton zu ergänzen, z.B. wenn durch Umnutzungen höhere Tragfähigkeiten für die tragenden Bauteile erforderlich werden. Um ein homogenes Tragverhalten zu erreichen, muss die Kraftübertragung über die Verbindungsfuge zwischen den beiden Betonen sichergestellt werden. Die Charakterisierung der Fugenrauigkeit erfolgt derzeit anhand eines sehr einfachen Parameters, welcher jedoch wenig über die eigentliche Beschaffenheit der Oberfläche aussagt. Besonders bei neueren, feinkörnigen hochfeste Betonrezepturen ist diese Vorgehensweise fraglich.

Im Projekt sollen mithilfe von Simulationsrechnungen Einflüsse aus den Betoneigenschaften (Sieblinie und Größkorndurchmesser) auf die erreichbaren Oberflächenbeschaffenheiten beim Aufrauen der Betonoberflächen untersucht werden. Hierzu werden zunächst die Korngefüge für verschiedene repräsentative Sieblinien und Größkorndurchmesser in räumlichen 3D-Modellen erzeugt. Anschließend wird der Abtragsvorgang des Zementleimes beim Aufrauen der Betonoberfläche durch einen sukzessiven Materialabtrag in diskreten Tiefenschritten simuliert. Hieraus werden verschiedene Rauigkeitsparameter berechnet und miteinander verglichen. Ziel der Studie ist es, bisher nicht bekannte Einflüsse aus dem Betongefüge auf die berechneten Rauigkeitsparameter zu finden. Daraus sollen letztendlich Hinweise auf geeignetere Charakterisierungsmöglichkeiten für die Rauigkeit von Betonoberflächen hinsichtlich der Kraftübertragung abgeleitet werden.

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Stand: 15.01.2013 14:29
Autor: ZfW

Kontakt

Für die Fördermöglichkeiten 1, 3 und 4:

Zentrum für Weiterbildung
Franziska Plathner
Tel.: +49 351 463-37898
Fax: +49 351 463-36251
graduiertenfoerderung@mailbox.tu-dresden.de

Sitz:
Nürnberger Straße 31 a
Zi. 107

Sprechzeiten
Di 14:00 - 16:00 Uhr
Do 10:00 - 12:00 Uhr

Post:
TU Dresden
Zentrum für Weiterbildung
01062 Dresden

Für Fördermöglichkeit 2:

Beauftragte für Gleichstellungsmanagement beim Rektor
Silke Pohl
Tel.: +49 351 463-39726
Fax: +49 351 463-39747
silke.pohl@tu-dresden.de

Post:
TU Dresden
Büro des Rektors
Beauftragte für Gleichstellungsmanagement
01062 Dresden

Für Fördermöglichkeit 5:

EPC
European Project Center

Sekretariat
Tel.: +49 351 463-42193
Fax: +49 351 463-39742
epc@tu-dresden.de

Sitz:
Bürokomplex Falkenbrunnen
Würzburger Straße 35
Zi. 109

Post:
TU Dresden
European Project Center (EPC)
01062 Dresden