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Logo? Wohl doch nicht so logischDie Geschichte des Logos der TU (TH) Dresden ist eine Geschichte der Provisorien und des immer neuen Anlaufnehmens. Nur selten wurde einem aussagefähigen, grafischsymbolisch schlüssigen Logo eine angemessen große Bedeutung zuerkannt – und wenn es zu überzeugenden Entwürfen kam, blieb dann die Realisierung auf der Strecke. Sogar wichtige Zäsuren in der Geschichte der TU Dresden spiegelten sich kaum in der Entwicklung überzeugender Logos wider. Als beispielsweise 1961 aus der TH die Technische Universität wurde, änderte sich im damaligen Logo lediglich das »H« in ein »U«. Im Gefolge der politischen Wende ab dem Herbst 1989 kam es nicht zu etwas wirklich Neuem, sondern lediglich zum Aufgreifen der Idee des in ein »U« gesteckten »T«s, die ja bereits wenige Jahre zuvor in einem anderen Gebrauchszusammenhang entwickelt worden war. Und schließlich führte auch der beginnende Wandel der TU Dresden in eine Volluniversität ab dem Jahre 1993 nicht zur Einführung eines adäquaten neuen Logos. In den 50er Jahren: Start mit Beyer-Bau Einer Auskunft aus dem TU-Archiv zufolge ist für die TH Dresden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kein regelrechtes Logo überliefert; auf einigen Drucksachen und Plakaten wurde eine Handzeichnung des Beyer-Baus genutzt. Das 1957 – damals noch mit dem »H« – eingeführte Sichtzeichen hätte zum Symbol eigentlich aller damaligen TH bzw.TU in der DDR werden können. Vom Gestus her war dieses Zeichen mit dem DDR-Wappen verwandt, es galt später als »Symbolüberfrachtung im Stile der 50er Jahre«. Jahre später wurde dann – dem neuen Zeitgeist entsprechend – das viele Jahre gültige Sichtzeichen mit den qualmenden Schloten, dem Zirkel und dem Buch eingeführt; 1957 erschien es beispielsweise erstmals auf dem Titel des offiziellen THMitteilungsblattes. Energieindustrie, mathematisch exakte Konstruktion und Bücherwissen (als Insignum des Gedankengutes der Aufklärung) – was wollte man mehr? Diese »heilige Dreieinigkeit« des realsozialistischen Aufbruchs – von ihrem Gestus her dem DDR-Wappen verwandt – hätte zum Symbol eigentlich aller damaligen Technischen Hochschulen in der DDR werden können. Schon insofern erfüllte das Bildchen nicht die inhaltlichen Kriterien eines konkreten Logos für eine konkrete Einrichtung. Im Herbst ’90 wurde das heutige Logo eingeführt Dennoch wurde das Zeichenensemble, das später die Eigenschaft der »Symbolüberfrachtung im Stile der 50er Jahre« zuerkannt bekam, erst am 17. September 1990 offiziell als TU-Logo vom Senat der TU Dresden außer Kraft gesetzt. Aber was dann vier Tage später durch den Rektor Professor Günther Landgraf als »TU-Signet« (Universitätsjournal 17/90) eingesetzt wurde, konnte weder inhaltlich noch grafisch noch von der funktionellen Seite (zum Beispiel war es nicht gut druckbar) als Glücksgriff gelten. Wenn man weiß, dass diese »steck-dosen-artige« Buchstabenakrobatik (das »T« in ein »U« gesteckt) ursprünglich gar nicht als Logo gedacht war, wird man ein wohlwollenderes Urteil fällen – gleichzeitig aber die Frage nach dem Warum stellen. »Schon einige Jahre vor der Wende«, so rekapituliert Jürgen Schieferdecker, »wollte der Rat der Stadt Dresden herausgehobene Punkte im Stadtbild, Kreuzungen und Magistralen, durch Kunst im öffentlichen Raum besser gestalten.« So habe Schieferdecker zwei Versionen für eine Stele entworfen, die an der Kreuzung Zellescher Weg /Teplitzer Straße aufgestellt werden sollte. »Bereits im Frühsommer 1987 wurde aus meinen beiden Entwürfen die Vorzugsvariante bestimmt.« Diese Stele, mit der unter anderem auch der Bezug der TU Dresden zur »Schlüsseltechnologie« Mikroelektronik symbolisiert werden sollte, wurde von einem Mobile in »TU«-Form bekrönt. Die Realisierung der Stele hat dann längere Zeit gebraucht; erst mitten in der heißen Zeit der Wende, nämlich am 6. Oktober 1989, wurde das Objekt feierlich eingeweiht – immer noch unvollständig, denn es fehlte die eigentlich vorgesehene digitale Zeit- und Temperaturanzeige. Die Stele an der Kreuzung Zellescher Weg/Teplitzer Straße wird von einem Mobile in »TU«-Form bekrönt. Foto: UJ/Eckold Kein Glücksgriff: Die am 21. September 1990 offiziell als »TU-Signet« in Kraft gesetzten Varianten gingen direkt auf die Mobile-Gestaltung zurück und bedurften der Überarbeitung.
Offensichtlich war dies ein Impuls für Karl-Heinz Seltmann, vom Frühjahr 1989 bis Anfang 1991 Chef des Dezernates Kultur und Öffentlichkeitsarbeit (DKÖ), einen Wettbewerb auszuschreiben – der dann aber letztlich mit der Auswahl des neuen Logos nichts zu tun haben sollte. Denn kurze Zeit später legte der damalige Rektor Professor Günther Landgraf mit Hilfe einer siebenköpfigen Gutachtergruppe, in der mit dem Architekten Professor Helmut Trauzettel und dem Maler/Grafiker Wolfgang Petrovsky zwei Leute fast vom Fach dabei waren, das neue Logo fest. Karl- Heinz Seltmann erinnert sich: »Mir ist die Entscheidung lediglich mitgeteilt worden. Im Rahmen des von uns ausgeschriebenen Wettbewerbes waren dagegen sieben oder acht Künstler mit der Entwicklung eines TU-Logos beschäftigt. Alle erhielten sie ihr Teilnahmehonorar ausgezahlt, ohne dass einer von ihnen den Zuschlag bekommen hätte.« Den bekam eben mit Jürgen Schieferdecker ein gestandener Künstler, der sich zwar nicht am Wettbewerb beteiligt hatte, dafür aber TU-Erfahrung einbringen konnte und mit seinen Stele-Entwürfen schon anregende Vorarbeiten geleistet hatte. Die beiden am 21. September 1990 festgelegten Gestaltungsvarianten des Schieferdeckerschen Logos wurden kurz danach von Wolfgang Strahl und Sven Geise gestalterisch präzisiert und modifiziert – so wurde auf die Schraffur und Schwarzweiß-Effekte verzichtet. Auf diese Weise entstand dann die heutige Form des Logos, die auch in geometrisch kleineren Größen besser druckbar ist. Kommunikationsdesign-Papst Vasata war zu früh Schon während der Phase der Hochschulerneuerung wurde schnell klar: die TU Dresden will hoch hinaus – und sie will Volluniversität werden. Und vor allem dem noch »neuen« TUD-Kanzler Alfred Post war – früher als anderen – klar, dass sich die Dresdner Universität künftig im Wettbewerb um Renommé, Studenten und Finanzen gegen andere Hochschulen durchsetzen muss. Also erhielt Professor Vilim Vasata von der Universität Essen über den TU-Kanzler Alfred Post im Frühjahr 1992 den Auftrag, ein neues TU-Logo und damit zusammenhängend auch alle weiteren grafischen Kommunikationselemente bis hin zu einem Info-Leitsystem zu gestalten. Im Zentrum der gedanklichen Vorgaben stand die TU Dresden als Volluniversität. Oben: Eine der vom Vasata-Team vorgeschlagenen Lösungen geht auf das »Wahrzeichen« der TUD, den Beyer-Bau, zurück. Foto: UJ/Eckold
Dritter Anlauf mit dem »CI-Beirat« Der nächste Anlauf erfolgte drei Jahre später, 1996. Der extra eingerichtete »CIBeirat« (»CI« – Corporate Identity) machte es sich zur Aufgabe, den Prozess der Öffnung, den die TU Dresden damals zu durchlaufen begonnen hatte, auch grafisch- symbolisch umzusetzen. Es ging nunmehr um eine »behutsame« Korrektur des Erscheinungsbildes der TU. Im einzelnen betraf das eine In diesem Zusammenhang hatte der gerade an die TU Dresden gewechselte Grafiker Professor Wolff-Ulrich Weder das Schieferdeckersche Logo »geöffnet« und abstrahiert, insgesamt hat der Beirat die komplexe Aufgabe an die Michel Sandstein GmbH delegiert. Am Ende standen handfeste und kreative Ergebnisse – die Künstler erhielten nach einer ersten Präsentation eine Aufwandsentschädigung, ihre Vorschläge wurden aber nicht weiterverfolgt. Öffnung der TU – symbolisiert durch die Öffnung des vorgegebenen Logos durch Wolff-Ulrich Weder im Jahre 1996. Interner Wettbewerb – aber ohne neues Logo Im Laufe des Jahres 1998 dann führte ein interner Wettbewerb innerhalb der Gruppe Gestaltung des Sachgebietes Universitätsmarketing zu den auch heute noch gültigen Gestaltungsrichtlinien der TU Dresden. Der Entwurf eines neuen TULogos gehörte nicht zur Aufgabe des Wettbewerbes. »Die Corporate Design Richtlinien «, so heißt es in der dazugehörenden Erläuterung, »wurden entwickelt, um die Wiedererkennbarkeit der TU Dresden in öffentlichkeitswirksamen Publikationen zu gewährleisten.« Gestaltungsrichtlinien seit Anfang 1999 verbindlich Diese Entwürfe von Dörte Gerlach wurden am 12. Januar 1999 vom Rektoratskollegium bestätigt und sind seit dem Wintersemester 1999 verbindliche Gestaltungsrichtlinie an der TU Dresden. Eine universitätsoffene Umfrage, die 2002 vom Sachgebiet Universitätsmarketing und der studentischen Unternehmensberatung PAUL Consultants durchgeführt wurde, sollte Erkenntnisse zur Akzeptanz der und zum Umgang mit diesen Gestaltungsrichtlinien erbringen. Das Logo der TU Dresden hat sich dadurch nicht geändert. Mathias Bäumel Gestaltungsrichtlinien: www.tu-dresden.de/vd57/cd/ UJ 02/03 vom 4. Februar 2003 |
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