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Internationale Zeitschrift für philosophische Anthropologie / International Journal for Philosophical Anthropology
[mensch] stellt die Frage nach »dem Menschen«. Es handelt sich dabei längst um ein auseinanderdriftendes Ding. In der Frage nach »dem Menschen« scheint daher eine breitest mögliche Spanne von Theorieansätzen – philosophischer, historischer, soziologischer, medizinischer, biologischer, kybernetischer Anthropologien – wahrzunehmen zu sein. Im Denken »des Menschen« gibt es keine Theorietabus. Es ist nicht ausgemacht, ob über »den Menschen« überhaupt angemessen zu sprechen ist oder nicht vielmehr von einer Vielfalt von Menschen-Formen. [mensch] kommt daher in Klammern daher.
Sozial- wie kulturwissenschaftliche Theorieansätze machen sich stets ihr Bild vom Menschen. Weit entfernt davon, dieses offenzulegen, handelt es sich gegenwärtig meist sowohl um das implizite Fundament als auch um die explizit ungeliebte Leiche im Keller der Theorie. Sich auf das »historische Apriori« und das »Verschwinden des Menschen« zurückzuziehen, schafft aber ein brisantes Vakuum im Denken »des Menschen«. Zeitgleich mit den Theorieskrupeln sozial- wie kulturwissenschaftlicher Provinienz operieren die Lebenswissenschaften mit einem rigiden Menschenbild, entwerfen eine neue, triumphale Menschen-Form, die Selbstumstellung des zwischen Tier und Engel gestellten Wesens auf ein reproduktionstechnisches Programm. Solche »fremden« Anthropologien in die Theorie des Menschen reflexiv einzubauen wie sowohl zu gegenwärtigen Denkmöglichkeiten als auch zu gesellschaftspolitischen Strömungen, Debatten, Strategien, Ereignissen zu relationieren, bedarf erneuter Denkanstrengungen.
Anthropologien haben seit dem 18. Jahrhundert, verstärkt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und gegenwärtig Konjunktur. Sie gehören als Denkmöglichkeit offenbar in die Moderne mit ihrem gesteigerten Kontingenzbewusstsein. Um von vornherein so reflexiv wie möglich anzufangen, könnten die komplexen Theorieangebote des 20. Jahrhunderts erneut zu durchdenken sein, nicht ohne sie ihrerseits kritisch zu rezentrieren. Zu diskutieren ist die Brisanz jeder impliziten oder expliziten Anthropologie. Insgesamt wird die ganze Spannweite der Selbstthematisierung dieses Wesens zur Sprache kommen müssen. Für den Menschen, dieses »breite, bunte, mannigfaltige Ding«, geraten »die Definitionen alle ein wenig zu kurz«. »Der Mensch hat zuviele Enden« (Max Scheler 1915).

[mensch] startet als »Zeitschrift für philosophische Anthropologie«, ohne sich auf die Disziplin einzugrenzen. »Philosophisch« meint vielmehr den Versuch, Reflexionsmöglichkeiten einer Theorie des Menschen quer durch die Disziplinen weitestmöglich zu steigern und zu »falten«.


[mensch] will eine Leerstelle in der Landschaft der gegenwärtigen philosophischen, soziologischen, kulturwissenschaftlichen etc. Zeitschriften besetzen: ein Forum für das Denken über »den Menschen«.


Call
[mensch] stellt ein Novum dar: es soll systematisch sowohl philosophische, sozial- und kulturwissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Sichtweisen über den Menschen zusammenbringen. In jedem Heft soll es möglichst einen naturwissenschaftlichen Text geben.
Eindeutig geht es dabei um eine Theoriezeitschrift (daher „philosophische Anthropologie“), was empirische Studien nicht ausschließt – das kommt darauf an, wie sie argumentieren.

Was wir wollen: Originalbeiträge. Die Texte sollen idealerweise äußert raffiniert sein; sie sollen neue Horizonte aufzeigen, Aha-Erlebnisse evozieren. Und sie sollen informieren, über das elaborierte, wissenschaftliche Denken des Menschen in den verschiedenen Kulturen, und dieses miteinander in einen fruchtbaren Streit bringen. Die Texte sollten spannend sein, überraschend, korrekt, und dabei können sie durchaus auch – nach dem Vorbild der ersten wichtigen Zeitschrift für Philosophie, dem Kritischen Journal – scharf angreifen, sie dürfen polemisieren – wenn sie dabei einen triftigen Grund vorbringen können. Wir wollen beweglich sein, auf der Höhe der Zeit; und zugleich tief sehen, reflektiert sein auf hohem Niveau: das Denken über den Menschen muss sich immer auch selbst hinterfragen. Was wir wissen wollen: alles über den Menschen – soweit es philosophisch, weitreichend, bedeutend ist.

Was wir nicht wollen: Wir wollen nicht schwerpunktmäßig die Ethikdebatte führen, sondern das Feld der Diskussion über den ‚Menschen‘ in alle Richtungen öffnen. Und es geht um eine philosophische Debatte, nicht um Ethnologie.

[mensch] steht in Kontakt mit deutschen, italienischen, französischen, spanischen, niederländischen, amerikanischen, japanischen, russischen, polnischen, tschechischen, chinesischen Nachwuchswissenschaftlern. Angezielt ist einerseits eine breite Zusammenarbeit mit interessanten Wissenschaftlern wie Nachwuchswissenschaftlern aus den verschiedenen Disziplinen; andererseits eine internationale Zeitschrift, die die Ideen mindestens des italienischen, französischen, englischsprachigen, deutschsprachigen sowie des asiatischen Denkens versammelt.

Herausgeber
Es handelt sich um ein initiales Projekt zweier Nachwuchswissenschaftler: Heike Delitz (Philosophin, Soziologin und Architektin, Dresden) und Robert Seyfert (Philosoph und Soziologe, Konstanz). Das Herausgebergremium wird komplettiert durch den Biologen und Philosoph Christian Illies.

Wissenschaftlicher Beirat
Bruno Accarino, Olaf Breidbach, Wolfgang Eßbach, Joachim Fischer, Volker Gerhardt, Mathias Gutmann, Christian F. R. Illies, Hans Werner Ingensiep, Jinji Hamauzu, Donna Haraway, Lenny Moss, Paul Rabinow, Gerard Raulet, Karl-Siegbert Rehberg, Thomas Rentsch, Javier San Martín, Walter Seitter, Hans Rainer Sepp, Peter Sloterdijk, Jan Sokol, Christian Thies, Michael Tomasello, Bernhard Waldenfels, Cao Weidong, Franz Wuketits.

Erscheinungsweise
Angezielt ist eine sowohl interdisziplinäre als auch interkulturelle Zeitschrift.
Daher werden die Texte in deutsch oder englisch erscheinen.

Die Zeitschrift soll als Review-Zeitschrift erscheinen..
Es wird keine Themenzeitschrift sein; vielmehr wollen wir uns und die Leser überraschen lassen, beweglich und aktuell sein.
Die Zeitschrift soll zwei Mal im Jahr erscheinen.

Rubriken
Es wird drei Rubriken geben:

Aufsätze (4 bis 5 wissenschaftliche Aufsätze pro Ausgabe);
Recherche (Forschungsberichte, Tagungsberichte, Besprechungen abgelegener, und umso spannenderer Literatur)
Fundstücke (Wiederabdrucke interessanter Texte aus der Geschichte des Denkens über den Menschen).

Konventionen
ca. 15 Seiten, 1,5 zeilig
Anmerkungen und Nachweise in den Fußnoten
Bibliographie am Ende des Textes


Muster zur Zitierweise (bitte in Fußnoten):
1
Henri Bergson: Schöpferische Entwicklung (frz. zuerst 1907). Übersetzt von Getrud Kantorowicz. Jena 1912.
2 Bergson: Schöpferische Entwicklung (wie Anm. 1), 12.
3 Bergson, Henri: Über den Pragmatismus von William James – Wahrheit und Wirklichkeit (1911). In: Ders.: Denken und schöpferisches Werden. Aufsätze und Vorträge. Übersetzt von Leonore Kottje. Meisenheim 1948, 234-245.
ISSN XXXX-XXXX

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Kontakt:

Heike Delitz
Universität Bamberg
Institut für Soziologie
Heike.Delitz [at] uni-bamberg.de
www.heike-delitz.de

Christian Illies
Lehrstuhl für Philosophie II
Universität Bamberg
christian.illies [at] uni-bamberg.de
http://www.uni-bamberg.de/?id=28840

Robert Seyfert
Graduiertenkolleg »Die Figur des Dritten«
Universität Konstanz
Robert.Seyfert [at] uni-konstanz.de

www.robert-seyfert.de


[mensch] 2008
Thunder Bird