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5. Workshop Gesundheitswirtschaft Sachsen - Gut versorgt im ländlichen RaumAm 16. November 2012 fand der 5. Workshop zur Gesundheitswirtschaft Sachsens des Gesundheitsökonomischen Zentrums der TU Dresden (GÖZ) statt. Anlass war der Abschluss des Projekts „Gut versorgt im ländlichen Raum“, das die Sächsische Staatskanzlei im Rahmen der Förderrichtlinie Demografie unterstützt hat, um Denkanstöße zu neuen Wegen bei der kleinräumigen, wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum zu liefern. Im Zentrum stand dabei die Modellregion „Dresdner Heidebogen“. Auf Grundlage empirischer Analysen und Modellrechnungen wurden mögliche Handlungsempfehlungen thematisiert und zur Diskussion gestellt. Dabei spielten nicht nur Handlungsoptionen eine wichtige Rolle, sondern auch weiterführende Ideen, für deren Umsetzung zunächst noch im gesellschaftlichen Raum um Unterstützung geworben werden muss. Nach einem Grußwort von Frau Maria Michalk (Mitglied des Deutschen Bundestages, Ausschuss für Gesundheit) stellte Frau Heike Zettwitz (Sächsische Staatskanzlei) die demografischen Herausforderungen Sachsens dar, die gerade für ländliche Gebiete nach neuen Formen der Daseinsvorsorge verlangen. Vor diesem Hintergrund stellte Professor Alexander Karmann (Geschäftsführender Direktor GÖZ) das Ziel von selbstbestimmtem Leben und von Versorgungssicherheit im Alter „70+“ in den Mittelpunkt der weiteren Vorstellung des interdisziplinären Projektes. Frau Michaela Ritter (Regionalmanagement Dresdner Heidebogen) stellte die Modellregion Dresdner Heidebogen vor, die sich nördlich von Dresden befindet und durch eine ländlich geprägte Bevölkerungsstruktur charakterisiert ist. Dr. Gesine Marquardt (GÖZ, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitsbauten) schilderte die Ergebnisse einer Bürger- und Bürgermeisterbefragung. Dabei wurde die Wohnsituation älterer Menschen ab 70 Jahren hinsichtlich Barrierearmut, Mobilität und Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs näher betrachtet. Dr. Andreas Werblow (GÖZ, AOK PLUS) erläuterte für 2030 prognostizierte Mehrbedarfe gerade bei der hausärztlichen Versorgung des ehemaligen Direktionsbezirks Dresden. Dr. Sven Müller (Universität Hamburg) verdeutlichte in einem raumbezogenen Modell, dass es für eine standortnahe hausärztliche Versorgung vorteilhaft wäre, wenn sich Zentren mit größeren Praxiskapazitäten etablieren würden. Die vorgestellten Handlungsempfehlungen für unterversorgte Regionen bezogen sich zunächst auf die Übertragung von Aufgaben zwischen verschiedenen Berufsgruppen. So könnten Vereinbarungen zwischen Ärzten und Apothekern geschlossen werden, die es Apothekern erlauben, unter bestimmten Bedingungen Medikamente zu verschreiben. Eine andere Möglichkeit wäre, Ärzten zu gestatten, selbst Medikamente in einer sogenannten Praxisapotheke zu verkaufen (Selbstdispensation). Schließlich erlaubt die neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) im Rahmen von Modellvorhaben ärztliche Tätigkeiten der Heilkunde auf Angehörige der Alten- und Krankenpflege zu übertragen. Eine zweite Empfehlung betraf das Wohnen. Barrierefreie Wohnräume vermindern das Sturzrisiko und verbessern die Chancen selbstbestimmten Lebens in der eigenen Wohnung. Sie erfordern jedoch Umbaumaßnahmen, deren Finanzierung im gesellschaftlichen Interesse liegen. Auch der Nutzen von Telemedizinanwendungen, insbesondere für chronisch Kranke, wurde hervorgehoben. Der dritte Teil der Handlungsempfehlungen versuchte am Daseinsaspekt „Soziale Infrastruktur“ anzuknüpfen. Es wurden verschiedene Schritte zur Herausbildung intergenerativer und multifunktionaler Zentren (MFZ) beschrieben, welche leer stehende Gebäude in Ortskernen vor dem Verfall retten sollen, um diese zu einem zentralen Anlaufpunkt im Ort zu machen. So können darin beispielsweise Kindertagesstätten und Altenpflegeeinrichtungen integriert werden, eine Gemeindeschwester erreichbar sein sowie, je nach Bedarf, Vereine oder Bäcker ihren Sitz haben. Um die Handlungsempfehlungen zu evaluieren, wurden für die abschließende Diskussion Praxisvertreter eingeladen, die aus Sicht von Medizin, Pflege, Apothekenwesen, Biomedizintechnik und Wirtschaftsforschung Stellung nahmen. Dabei wurde herausgestellt, dass der Schlüssel zu einer gelungenen Umsetzung der Handlungsempfehlungen in die Praxis die Überwindung der monetären Interessen jeder einzelnen Berufsgruppe ist. Im Folgenden
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