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Graduiertenworkshop des EGK 625  
  am 28.Januar 2006, Beginn: 10.00 Uhr  
  im Europäischen Graduiertenkolleg, Ludwig−Ermold−Str.3, 01217 Dresden (Bus 61 und Tram 11, Haltestelle Zellescher Weg)  
     
  Im Rahmen dieses Workshops werden Aspekte aus laufenden oder gerade abgeschlossenen Dissertationsprojekten zur Diskussion stehen. Anstatt in der Form von Vorträgen darüber zu berichten, haben die Teilnehmer zuvor einen Text verfasst, der allen interessierten Teilnehmern des Workshops im Vorfeld zugänglich gemacht wird. Damit soll während des Workshops eine intensive Diskussion der Texte ermöglicht werden. Eine Lektüre der Texte ist für eine sinnvolle Teilnahme somit erforderlich.  
  Heinrich Lang
“Der ‘zivile’ Krieg. Ordnungskonzepte zwischen städtischer Gesellschaft und Söldnerführern im Italien der Renaissance”
 
  Jan Willem Huntebrinker
“Geordneter Sozialverband oder Antiordnung? Zwei Perspektiven auf militärische Ordnung im 16.und 17. Jahrhundert”
 
  Martina Dlugaiczyk
“Die Disziplinierung von Natur und Militär”
 
  Claudia Schmitz
“Die Bedeutung von Krieg und Gewalt in der Herrschaftssymbolik des Inka−Staates”
 
  Ulrike Ludwig
“Auswirkungen des Krieges auf die Strafrechtspraxis: exemplarischer Härte und kriegsbedingte Gnadenpraxis als Handlungsmuster während des 30jährigen Krieges in Kursachsen.”
 
  Sascha Möbius
“Zu Militär und Ordnung in der städtischen Chronistik”
 
  Martin Winter
“Deserteursverfolgung um Straßburg in Richtung Mecklenburgische Grenze”
 
  Zum Inhalt  
  Stellt man die Frage nach der Bedeutung des Militärs für frühneuzeitliche Ordnungskonzeptionen, stößt man auf zwei unterschiedliche Perspektiven. Einerseits wird dem Militär eine exponierte Stellung als ‘Keimzelle der Disziplin’ zugeschrieben. Die Vertreter dieser Auffassung betonen, dass die militärische Disziplinierung dem frühmodernen Staat als ein Modell für gesellschaftliche Ordnung und Disziplinierung gedient habe. Sukzessive seien diese Ordnungsvorstellungen, vom Militär ausgehend, auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen worden. Andererseits ziehen jüngere Forschungen das disziplinierte und erwartungskonforme Verhalten von Soldaten in Zweifel. Gemeinschaftlich begangene Eidbrüche von Söldnern, eigenständige Plünderungen der Zivilbevölkerung und häufige Desertionen zeigen, dass die Disziplin in den scheinbar so disziplinierten Militärverbänden oft genug sehr fragwürdig war. Ohnehin wurden Angehörige des Militärs − ob nun als gartender Landknecht oder als das Sittenleben gefährdender Söldner − immer wieder als Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung wahrgenommen. Aus dieser Perspektive kann das Militär keineswegs als Musterbeispiel eines disziplinierten und geordneten Sozialverbandes gelten. Vielmehr muss man die Auswirkungen militärischer Präsenz über die gesamte Vormoderne als Herausforderung für die Institutionalisierung gesellschaftlicher Ordnung sehen. Vor diesem Hintergrund wäre zu fragen, wie sich Wechselbeziehungen zwischen militärischer und ziviler Ordnung in unterschiedlichen Kontexten ausgenommen haben.  
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