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Zeitzeugen berichtenDas Universitätsarchiv und "oral history"Neben der Bearbeitung der traditionellen archivfachlichen Aufgaben werden die Archive mit neuen Anforderungen konfrontiert, die eng mit der Transformation von der Industrie- zur Informations- und Mediengesellschaft zusammenhängen. Die Archivierung von digitalen amtlichen und wissenschaftlichen Überlieferungen gehört heute zum Standard archivarischer Tätigkeit. Während Sicherung, Bewertung, Erschließung und Auswertung der schriftlichen und digitalen Überlieferung der gesellschaftlichen Organisationen durch die Gesetzgebung von Bund und Ländern geregelt ist, erfordert die Sicherung der historischen Erinnerung von Zeitzeugen, nicht zuletzt von Zeitzeugen in herausgehobenen gesellschaftlichen Stellungen, ein über die engeren dienstlichen Aufgaben hinausgehendes Engagement. Ein Abgleichen der scheinbar objektiven archivalischen Überlieferung und der retrospektiv entstandenen Zeitzeugenberichte ist in vielen Fällen unumgänglich. Es erfordert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Archiv und Zeitzeugen, dessen subjektive Wahrnehmung von bestimmten Ereignissen für eine interessante Geschichtsschreibung gegenüber den schriftlichen Quellen nicht unterschätzt werden darf. Wolf Singer, Direktor des Max Planck-Instituts für Hirnforschung, hat aus naturwissenschaftlicher Sicht das Subjektive von Wahrnehmung und Erinnerung als kreativen konstruktiven Prozess charakterisiert, der bei jedem Menschen anders verlaufe und eine Rekonstruktion einer objektiven Realität unmöglich mache. Eine „sinnvolle Trennung zwischen Akteuren und Beobachtern“ kann es nach seiner Auffassung nicht geben, „weil die Beobachtung den Prozess beeinflusst, selbst Teil des Prozesses wird“ [1]. [1] Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen. Über den Nutzen und Vorteil der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft. In Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 226 v. 28.9.2000. S. 10 1 Von 1940 bis 1943 hatte sie Technische Physik an der TH Dresden studiert, danach war sie Assistentin und von 1950 bis 1952 Oberassistentin bei Prof. Kurt Schwabe am Institut für Elektrochemie und Physikalische Chemie. 1952 musste sie mit ihrer Familie die DDR verlassen. Später nahm sie eine führende Position im Volkswagen-Konzern ein. |
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