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Das Alumni - Projekt des Universitätsarchivs der TU Dresden bis 1945
Das Projekt war außerordentlich
zeitaufwendig und konnte nur in enger Zusammenarbeit mit
Beschäftigten der DSA realisiert werden. Dank gilt an dieser
Stelle auch den Mitarbeitern/innen der SLUB für die
Ausleihe einer Vielzahl von Dissertationen.
Die Studierenden der integrierten Einrichtungen
(Forsthochschule Tharandt, PH Dresden, IH Dresden, HfV Dresden)
sind in eigenständigen Datenbanken nachgewiesen. Bitte wenden
Sie sich bei entsprechenden Anfragen an das Uniarchiv oder die
zuständige Mitarbeiterin.
[1. Erfassung der Studenten von Technischer
Bildungsanstalt, Polytechnischer Schule, Polytechnikum (1828 –
1889)]
[2. Die Studenten und Absolventen der TH Dresden
von 1890 bis 1945 (und danach)]
[3. Erfassung der Promovenden der TH Dresden
zwischen 1900 und 1945]
[4. Erhellung der Lebenswege unserer frühen
Promovenden (1900 bis 1945)]
1. Erfassung der Studenten von Technischer
Bildungsanstalt, Polytechnischer Schule, Polytechnikum (1828 –
1889)
Auf der Grundlage der „Programme“ und
„Jahresberichte“ der Vorgängereinrichtungen der TH Dresden
wurde eine Übersicht erstellt. Für die ersten
Anfangsbuchstaben der Nachnamen ist die derzeitige Fassung dem
Internetnutzer zugänglich; die Liste wird bei Bedarf durch die
Archivarinnen des Archivs fortgesetzt oder ergänzt.
Schon aus dem Kreis unserer frühen Studenten
und Absolventen gingen weithin angesehene Techniker und
Wissenschaftler hervor.
Hier seien beispielsweise genannt:
• Heinrich Friedrich Gretschel (1830-1892)
Gretschel besuchte von 1847 bis 1851 die Technische
Bildungsanstalt, setzte danach bis 1854 seine Studien der
Mathematik, der Naturwissenschaften und der alten Sprachen an
der Universität Leipzig fort, legte die Prüfung für das höhere
Schulamt mit ausgezeichnetem Erfolg ab und promovierte. 1873
erhielt er den Lehrstuhl für Mathematik und Darstellende
Geometrie an der Bergakademie Freiberg.
Aus der Lehrerabteilung gingen u. a.
hervor:
-
1864 Burmester, Louis Ernst Hans, aus
Othmarschen, später Professor der Darstellenden Geometrie an
den Technischen Hochschulen Dresden und München,
-
1864 Vogel, Hermann Carl, aus Leipzig, später
Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam,
-
1865 Albrecht, Theodor, später Professor und
Sektionschef am Preußischen Geodätischen Institut zu
Potsdam,
-
1866 Wernecke, Julius Hugo, aus Dresden,
Direktor des Realgymnasiums in Weimar,
-
1870 Schreiber, Carl Adolph Paul, aus Strehla,
später Direktor der Sächsischen Landeswetterwarte,
-
1870 Jentzsch, Carl Alfred, aus Dresden, später
Professor und Landesgeologe in Berlin,
-
1871 Riedel, Heinrich Franz, aus Wurzen, später
mathematischer Direktor der alten Leipziger
Versicherungsbank.
Dazu kamen aus technischen Abteilungen:
- Helmert, Friedrich Robert (1843-1917), ab 1872
Professor der Geodäsie in Aachen, ab 1887 an der Universität
Berlin und Direktor des Preußischen Geodätischen Instituts in
Potsdam, einer der bedeutendsten Geodäten seiner Zeit und
namhaft auch in der mathematischen Statistik,
- Fuhrmann, Arwed (1840-1907), ab 1862 Assistent für
Mathematik und Geodäsie, ab 1874 Professor für Mathematik am
Dresdner Polytechnikum.
Auf Georg Ferdinand Helm, der im Jahre 1868 die Dresdner
Lehrerabteilung abschloss, soll hier stellvertretend für andere
Absolventen genauer eingegangen werden.
- Georg Helm – Mathematikprofessor an
Polytechnikum/TH Dresden
Prof. Georg Helm
Der Name „Georg Helm“ ist auch bei den
heutigen Dresdner Studenten bekannt, wird doch seit 1995 der
Georg-Helm-Preis verliehen – für Dissertationen,
Diplomarbeiten und Magisterarbeiten, die sich besonders
auszeichnen. Gestiftet wurde der Preis vom Verein zur
Förderung der Studenten der TU Dresden, einer Gründung des
Corps Altsachsen, das Helm zu seinen frühen Mitgliedern
zählt.
Georg Helm wirkte über dreißig Jahre an unserer Hochschule.
Dass er zu den erfolgreichen und beliebten Hochschullehrern
gehörte, zeigt ein Vorgang am Ende seines Berufslebens. 1919
war Georg Helm 68 Jahre alt und gehörte damit zu den über
65-jährigen Professoren, deren Emeritierung auf Grund
gesetzlicher Bestimmungen bevorstand. Das wollten seine
Studenten nicht zulassen! 65 von ihnen wandten sich – unter
Umgehung des Rektors – in einer gemeinsamen Petition direkt
an das Ministerium. Zu denen, die die Eingabe unterschrieben
hatten, gehörte auch Alwin Walther, Absolvent, Promovend und
Ehrenpromovend der TH Dresden, der wohlbekannte Pionier des
wissenschaftlichen Rechnens und langjährige Professor an der
TH Darmstadt.
Georg Ferdinand Helm wurde am 15. März 1851 in Dresden in der
Familie eines Tischlermeisters geboren; er wuchs mit einem
Bruder und zwei Schwestern auf. Nachdem er 1867 das
Reifezeugnis der Annenschule erworben hatte, die damals noch
eine sechsstufige Realschule war, absolvierte er zunächst das
Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften in der
Lehrerabteilung der Polytechnischen Schule Dresden, die
derzeit unter der Leitung des Mathematikordinarius Oskar
Schlömilch stand, und ergänzte seine Studien von 1871 bis
1873 an den Universitäten Leipzig und Berlin. In Leipzig
legte er 1873 die Prüfung für das höhere Schulamt ab. Von
1874 bis 1888 lehrte Helm an der Annenschule, die 1884
Realgymnasium wurde. Ihr Physik- und Mathematiklehrer Helm
war immerhin so angesehen, dass er vom Königlichen Hof zur
Unterweisung und gelegentlichen sachkundigen Begleitung der
Prinzen herangezogen wurde.
1880 wurde Georg Helm von der Universität Leipzig zum
Dr.phil. promoviert. 1881 heiratete er Elise Zeuner, eine
Tochter von Gustav Zeuner, dem Direktor des Dresdner
Polytechnikums. Seit dem 1. April 1888 wirkte Georg Helm als
Professor am Dresdner Polytechnikum, - auf dem 2.
Mathematischen Lehrstuhl, den vor ihm Aurel Voss und Karl
Rohn inne gehabt hatten. Helm hatte die analytische Geometrie
und Teile der mathematischen Physik zu vertreten. Dabei
überwogen in seinen ersten drei Semestern die Anforderungen
aus der Physik, da Helm für den erkrankten Ordinarius August
Toepler einspringen und dessen Experimentalphysikvorlesung
mit vier Wochenstunden und die Oberleitung über das
physikalische Laboratorium übernehmen musste.
Zur Vorlesungs- und Übungstätigkeit Helms
Nachdem Toepler im Herbst 1889 seine Lehrtätigkeit wieder
übernommen hatte, konnte sich Helm im Wintersemester 1889/90
verstärkt auch der mathematischen Seite seiner Professur
zuwenden. Er sorgte sich um die Vervollständigung der
Modellsammlung, „welche dazu dient, bei den Vorlesungen über
analytische Geometrie die räumliche Anschauung zu
unterstützen“, und ließ zunächst einmal von einem Mechaniker
– nach seinen Anweisungen - verstellbare Fadenmodelle des
einschaligen Hyperboloids, des hyperbolischen Paraboloids und
des Zylindroids herstellen. Auch durch eine effektive
Unterrichtsgestaltung kam Helm den Bedürfnissen der Studenten
entgegen. Im Sommersemester 1890 begann er damit, jedem
Studierenden zu Beginn jeder Übungsstunde ein gedrucktes
Exemplar der Aufgaben zu übergeben; auch in den Vorlesungen
teilte er gedruckte oder autographierte Beilagen aus und
hing, um Zeit zu sparen, vorgefertigte Tafeln auf.
Neben den Grundvorlesungen für Ingenieurstudenten hielt Helm
Spezialvorlesungen vor kleineren Kreisen fortgeschrittener
Studierender der Mathematik, der Physik - das waren in der
Regel die Lehramtskandidaten höherer Semester - , aber auch
des Vermessungsingenieurwesens. Die Spezialvorlesungen, die
er im Laufe seiner 32-jährigen Tätigkeit gehalten hat, decken
ein weites Spektrum der angewandten Mathematik und der
mathematischen Physik ab: analytische Mechanik,
Potentialtheorie, Dioptrik, mathematische Theorien der
Chemie, Elektrodynamik, Versicherungsmathematik und deren
Hilfswissenschaften, Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung,
Kollektivmaßlehre.
Georg Helm gehörte nicht nur der an der TH Dresden (seit
1879) bestehenden Prüfungskommission für Kandidaten des
höheren Schulamts an, sondern war auch Vorsitzender der Kgl.
Kommission für die Prüfung der Feldmesser, Mitglied der
Diplomprüfungskommissionen für Bau-, Vermessungs-, Maschinen-
und Elektroingenieure und Mitglied des technischen
Prüfungsamtes und Oberprüfungsamtes.
Interdisziplinäre Sicht Helm gehörte zu den
Mathematikern und Naturwissenschaftlern, die die Ergebnisse
ihrer Wissenschaft stets im großen kulturgeschichtlichen und
gesellschaftlich-ökonomischen Zusammenhang sahen und die
diese vielschichtigen Bezüge auch über den engen Kreis der
Hochschule einem breiteren Publikum zu vermitteln verstanden.
Das zeigte schon die Antrittsrede des neuberufenen
Professors: „Über den Einfluss der Bewegungserscheinungen auf
unsere Erkenntnis“. Das zeigte, 20 Jahre später, auch der von
Rektor Helm in der Aula der TH Dresden zu Königs Geburtstag
am 25. Mai 1910 gehaltene Festvortrag „Die Stellung der
Theorie in Naturwissenschaft und Technik“, - und viele in den
Hauptversammlungen der Naturwissenschaftlichen
Gesellschaft Isis zu Dresden gehaltene Vorträge. Interessant
ist die in den Abhandlungen der Isis (1887) veröffentlichte
Studie Helms „Die bisherigen Versuche, Mathematik auf
volkswirtschaftliche Fragen anzuwenden“, in der er
volkswirtschaftliche Vorgänge mit gewissen Naturprozessen in
Parallele stellt. Sein philosophischer Standpunkt, wesentlich
phänomenologisch ausgerichtet, wird auch in Vortrag und
Publikation „Ernst Mach, dem naturwissenschaftlichen Denker,
zum Gedächtnis“ deutlich (Abhandlungen der Isis, 1916).
Versicherungsseminar
Schon vor der Berufung Georg Helms an das Polytechnikum waren
einige seiner Veröffentlichungen der Statistik und dem
Versicherungswesen zuzuordnen, wie „Die Berechnung der
Rententafeln aus Sterblichkeits- und
Invaliditätsbeobachtungen“ (1884) und „Kindersterblichkeit im
sächsischen Bergmannsstande“ (1885). Angeregt wurden diese
Arbeiten wohl besonders durch seinen Schwiegervater Gustav
Zeuner. Im WS 1890/91 begann Helm in der Tradition von Julius
Ambrosius Hülsse und Gustav Zeuner mit Vorträgen zum
Versicherungswesen und mit dem Aufbau einer entsprechenden
Bibliothek. Daneben wirkte Victor Böhmert, Professor für
Nationalökonomie und Statistik am Polytechnikum, mit
Vorlesungen und Seminar. Von 1890 bis 1896 bildete der
Komplex der (einschlägigen) Veranstaltungen von Böhmert und
Helm quasi einen „Vorläufer des Versicherungsseminars“.
Beider Vorlesungen konnten sich gut ergänzen, da sie
unterschiedliche Akzente setzten. Im WS 1895/96
beispielsweise trug Helm über „Die mathematischen Grundlagen
des Versicherungswesens“ vor, Böhmert hingegen beleuchtete
„Das Versicherungswesen in seiner volkswirtschaftlichen
Bedeutung und historischen Entwicklung“. Helms Aktivitäten
sind natürlich auch vor dem gesellschaftspolitischen
Hintergrund der 1880/90er Jahre zu sehen. Mit der
Installierung der gesetzlichen sozialen Sicherungssysteme in
Deutschland – Unfallversicherungsgesetz 1884, Gesetz zur
Invaliditäts- und Altersversicherung 1889, weitere Gesetze
folgten später – gewann die Rolle des Versicherungswesens an
Bedeutung, und die Versicherungsmathematik begann sich als
selbständige Disziplin der angewandten Mathematik zu
konstituieren. Obwohl in Dresden längerfristig vorbereitet,
wurde das erste Versicherungsseminar im deutschen
Hochschulwesen nicht an der Technischen Hochschule Dresden,
sondern an der Universität Göttingen gegründet; dieses nahm
zum WS 1895/96 seine Tätigkeit auf, das Dresdner im SS 1896.
Die durch das Versicherungsseminar Helms gegebene Möglichkeit
einer bedarfsorientierten Zusatzausbildung an der TH Dresden
eröffnete den Lehramtskandidaten – besonders von diesen wurde
sie genutzt - eine zusätzliche berufliche Perspektive und
erhöhte durchaus die Zugkraft der Dresdner Lehrerabteilung.
Helm vermittelte, vom Ministerium anerkannt und materiell und
ideell gewürdigt, versicherungstheoretische und -technische
Kenntnisse und konnte darüber auch eine Teilnahmebestätigung
oder ein Zertifikat ausstellen; sein Kurs endete jedoch nicht
mit einer staatlich anerkannten Prüfung. Im Oktober 1913
beantragte Helm über die Allgemeine Abteilung die weitere
Ausgestaltung des Seminars für Versicherungsmathematik.
Rektor und Senat stimmten den Plänen im Wesentlichen zu und
vertraten sie – gestützt durch eingeholte Gutachten - vor dem
Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, das sich
durchaus geneigt zeigte. Diese Aktivitäten, deren wesentliche
Triebkraft in der Person Helms zu sehen ist, wurden durch den
Krieg unterbrochen. Helms Ziel, die Errichtung eines
Lehrstuhls für Versicherungsmathematik, wurde erst im Jahre
1919, nach Krieg und Revolution, erreicht.
Buchautor Fünf der Helmschen
Schriften erschienen in Buchform, sämtlich von Leipziger
Verlagen herausgebracht. Neben der "Lehre von der Energie“
(1887) waren das die "Grundzüge der mathematischen Chemie"
(1894; 1897 unter dem Titel „The principles of mathematical
chemistry“ in New York erschienen), "Die Energetik" (1898),
"Die Theorien der Elektrodynamik nach ihrer geschichtlichen
Entwicklung" (1904) und das 1910 erschienene Handbuch "Die
Grundlehren der höheren Mathematik", von dem 1914 und 1921 neue
verbesserte Ausgaben erschienen. In den Büchern
physikalisch-chemischen Inhalts formte Helm seine Auffassungen
von der Energie aus. Noch vor Wilhelm Ostwald legte Helm seine
Ideen des Energetismus als einer naturphilosophischen Richtung
dar. Der Begriff „mathematische Chemie“ wurde wohl von ihm
geprägt; in den „Grundzügen“ entwickelte er – anknüpfend an
Arbeiten von Williard Gibbs – die Chemie in einheitlicher Linie
aus Energiebetrachtungen heraus. Das 1910 erschienene Buch ist
unmittelbar aus seiner Lehrtätigkeit erwachsen. Es vermittelte
erstmals in knapper Form eine einheitliche Übersicht des
gesamten Stoffes der mathematischen Grundlagenausbildung für
Studenten der Ingenieur- und der Naturwissenschaften, so, wie
ihn Helm seit 1906 in einer viersemestrigen Vorlesung darbot –
ein Konzept, das sich in seinen Grundzügen bis in unsere Tage
bewährt hat. Reich mit Figuren ausgestattet und mit vielen
Anwendungsaufgaben versehen, zeugt das Buch auch von Helms
hohem didaktischen Geschick.
Ruhestand
Am 1. Oktober 1919 trat Helm in den Ruhestand, hatte sich
jedoch bereit erklärt, seine turnusmäßige viersemestrige
Vorlesung zu Ende zu lesen und auch andere Aufgaben zu
übernehmen. Im November 1922 legte Georg Helm aus
gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder, am 13. September
1923, starb er „nach langem schwerem Leiden“.
Quelle:
Voss, Waltraud: Georg Helm – Mathematikprofessor an
Polytechnikum/TH Dresden von 1888 bis 1919. – In: Christa
Binder (Hrg.): Jubiläen - Chance oder Plage? VII.
Österreichisches Symposion zur Geschichte der Mathematik Mai
2004, Wien 2004, S. 158 ff
2. Die Studenten und Absolventen der TH Dresden von
1890 bis 1945
Immatrikulationslisten, Einschreibebücher,
die Personal- und Vorlesungsverzeichnisse sowie die noch
überlieferten Studentenakten bis 1945, wurden elektronisch
erfasst. Weitere Archivquellen, wie allgemeine Verwaltungsakten
oder Schriftwechselakten wurden ebenfalls für die
Auswertung hinzugezogen.
Die daraus entstandene „Alumni-Datei“ enthält zu jedem
Studenten die bei der Immatrikulation jeweils aufgenommenen
Angaben, darüber hinaus in vielen Fällen weitere Bemerkungen
zum Verlauf des Studiums, zu den Abschlüssen und wenn zu
ermitteln, auch zum weiteren Berufsweg. Bei Studentenakten oder
weiteren vorhandenen schriftlichen Primärquellen wurden die
Signaturen vermerkt.
Die derzeitige Fassung der Alumni-Datei wird weiter überprüft
und bearbeitet.
U. a. müssen Mehrfachnennungen, die durch die Eingabe der
unterschiedlichen Findhilfsmittel entstanden,
herausgefiltert werden. Ebenfalls sind noch Lücken aus dem
Zeitraum zwischen 1915 - 1929 endgültig zu schließen. Aus
anfangs über 100000 Datensätzen kristallisiert sich etwa
eine Anzahl von 40000 ehemaligen Studierenden des In- und
Auslandes für den Zeitraum zwischen 1828 und 1945
heraus.
Die Tharandter Studenten können ab 1929, mit der Integation in
die TH Dresden, in der Datenbank der TH Dresden
nachgewiesen werden.
Anfragen zu allen ehemaligen Studierenden, auch der
integrierten wissenschaftlichen
Hochschuleinrichtungen, können jederzeit an die
zuständigen Mitarbeiterinnen des Archivs gestellt
werden.
Die Erhellung der Lebensläufe ist eine ständige Aufgabe;
Hinweise zu einzelnen Studenten und Absolventen werden
gern entgegengenommen.
Auskünfte zu den über 100000 Direkt- oder
Fernstudenten zwischen 1945 und 1990 werden nach Maßgabe
des Datenschutzes durch das Archiv erteilt.
3. Erfassung der Promovenden der TH Dresden zwischen
1900 und 1945
Die in Akten des Sächsischen
Hauptstaatsarchivs enthaltenen „Promotionsbücher“ wurden
elektronisch erfasst. Um gewisse Lücken zu schließen, die in
der so entstandenen Promovendenliste noch vorhanden waren,
wurden in der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und
Universitätsbibliothek (SLUB) die Dissertationsschriften der
Dresdner Promovenden zwischen 1900 und 1945 erfasst.
Etwa 1700 Dissertationen konnten dafür eingesehen
werden.
Auch im TU-Archiv vorhandene Materialien und Übersichten (etwa
zu der im „Toepler-Nachlass“ enthaltenen Sammlung von
Dissertationen) wurden ergänzend genutzt. Auch an dieser Liste
wird weiter gearbeitet. Es ist vorgesehen, zunächst eine
verkürzte Liste für Internet-Nutzer zugänglich zu machen, die
nur die wichtigsten Daten zum Promovenden enthalten
soll.
Auskünfte für Promovenden nach 1945 werden durch die
zuständigen Mitarbeiterinnen im Rahmen der Schutzfristen gern
erteilt.
Angaben zu den etwa 400 Ehrenpromovenden ab 1900 sind
in einer eigenen Datenbank auf der Homepage des
Universitätsarchivs einsehbar.
4. Erhellung der Lebenswege unserer frühen
Promovenden (1900 bis 1945)
Stand: Eine Anzahl unserer frühen
Promovenden hat angesehene Positionen in Wirtschaft und
Gesellschaft, in Technik und Wissenschaft inne gehabt. Einige
von ihnen wurden bereits durch Poster und in
verschiedenen Publikationen vorgestellt.
Zu rund 1700 dieser Promovenden wurde eine Internetrecherche
durchgeführt. Zunächst für etwa 300 von ihnen soll nach und
nach die weitere Quellensuche und –erschließung aufgenommen
werden.
Seit 1912 konnte an der TH Dresden auch der Grad Dr.rer.techn.
(doctor rerum technicarum) erworben werden; Voraussetzung dafür
war zunächst die erfolgreich abgelegte Prüfung für das höhere
Schulamt der mathematisch-naturwissenschaftlichen Richtung und
eine Dissertation mathematischen oder physikalischen
Themas.
Im Folgenden werden einige frühe Dresdner Mathematikpromovenden
in Kurzbiographien vorgestellt.
- Alfred Kneschke, geb. 15.6.1902 Alt-Löbau, gest.
24.11.1979 in Freiberg
Prof. Wilhelm Kneschke
Alfred Kneschke stammte aus einer
Arbeiterfamilie. Auch in der Weimarer Republik war ein Studium
für wenig Bemittelte nur unter großen Entbehrungen und mit
Arbeit neben dem Studium möglich. Alfred Kneschke war ein
solcher Werkstudent. Zwanzigjährig hatte er seine
Seminarausbildung zum Volksschullehrer abgeschlossen und
gleichzeitig das Abitur abgelegt. Nach einem vierjährigen
Studium in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Abteilung
der TH Dresden war er Diplomingenieur für technische Physik
und promovierte kurz darauf glanzvoll mit einer Arbeit aus der
angewandten Mathematik zum Dr.-Ingenieur. Von 1926 bis 1930
war er Lehrstuhlassistent von Max Lagally. Im Alter von 27
Jahren hatte er sich bereits an der TH Dresden habilitiert und
außerdem noch die Prüfung für das höhere Schulamt - mit „Sehr
gut“ - abgelegt. 1930 ging er in den Schuldienst, lehrte aber
gleichzeitig als Privatdozent an der TH Dresden – seit 1938
mit dem Titel „Professor“. Alfred Kneschke war zunächst Lehrer
für Mathematik und Physik an der Höheren Versuchsschule
(Dürerschule) in Dresden, danach kurze Zeit Mathematik-Dozent
an der Staatlichen Akademie für Technik in Chemnitz und
übernahm dann als Oberstudiendirektor die Leitung der
Oberrealschule im sächsischen Meerane. 1939 brach der Krieg
seine Tätigkeit an Schule und Hochschule ab. Nach dem Ende des
Krieges wurde er im Zuge der Entnazifizierung aus dem
öffentlichen Dienst Sachsens entlassen, da er der NSDAP
angehört hatte.
Bei der Firma Geißler in Meerane lernte er Elektromonteur und
arbeitete dort als Geselle. Ab 1950 konnte er wieder als
Mathematiker tätig sein, zunächst im VEB Carl Zeiss Jena.
Bereits 1951 wurde er als Professor an die Bergakademie
Freiberg gerufen. Hier leitete er erst das Institut für
Technische Mechanik, und von 1953 bis zu seiner Emeritierung
im Jahre 1967 dann das Institut für Angewandte Mathematik. Er
baute die Fachrichtung Mathematik an der Bergakademie auf. Die
von ihm verfassten Lehrbücher waren gefragt und wurden
wiederholt aufgelegt: „Differentialgleichungen und
Randwertprobleme“ (3 Bände, erstmals erschienen 1957, 1960 und
1962), „Technische Mechanik“ (3 Bände, gemeinsam mit D.
Rüdiger, erstmals erschienen 1960, 1962 und 1964) und das
Lehrwerk „Technische Mechanik“ für das Fernstudium, das 12
Lehrbriefe über Statik, Festigkeitslehre und Dynamik umfasst
und 1954 abgeschlossen wurde. [Bildquelle: Bergakademie
Freiberg, Hochschularchiv, Sign. YF12/28 (AVZ)]
- Walter Thürmer, geb. 27.1.1896 in Dresden, gest.
23.2.1971 in Dresden
Prof. Walter Thürmer
Er war Lehrer, Unternehmer, Politiker,
Dozent. Walter Thürmer ging von der Schulbank an die Front.
Erst nach dem Ende des ersten Weltkrieges konnte er das
Studium an der TH Dresden aufnehmen. Er legte 1922 die Prüfung
für das höhere Schulamt ab und promovierte noch im selben Jahr
zum Dr.rer.techn. Die Aussichten, im Schuldienst rasch eine
feste Anstellung zu erlangen, waren zu der Zeit nicht gut. Mit
Blick auf das Familienunternehmen erweiterte Thürmer seine
berufliche Ausgangsbasis. Bis 1925 lernte er in einer Bank in
Dresden und in einer Lebensmittel-Import-Großhandlung in
Wesermünde.
Danach war er in den Dresdner Firmen Max Thürmer
(Kaffeegroßrösterei und Kaffee-Ersatzfabrik) und Max Knauthe
(Lebensmittelgroßhandlung) tätig, zunächst als Angestellter,
dann als Mitinhaber und Leiter. Bis zum Jahre 1948 arbeitete
er in diesen Unternehmen. Am Neuanfang nach dem Ende des
zweiten Weltkriegs war er als Aktivist der ersten Stunde
beteiligt. Zunächst galt es, die zerstörten Firmen wieder
aufzubauen, aber zugleich war Thürmer in wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Gremien tätig und mischte sich in die
Politik ein. Zwischen 1945 und 1949 war er im Verwaltungsrat
der Sächsischen Landesbank aktiv und war Mitbegründer und
stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der
Elb-Kontor-Genossenschaft sächsischer Lebensmittelgroßhändler.
Thürmer war Mitbegründer der Liberal-Demokratischen Partei
Deutschlands (LDPD). Nachdem er 1948 aus den Firmen
ausgeschieden war, übernahm er als einer der Bürgermeister der
Stadt Dresden das Dezernat für Wirtschaft und Verkehr. 1949/50
war er Landesvorsitzender der LDPD in Sachsen, und von 1950
bis 1951 gehörte er sogar der Landesregierung an – als
Minister für Gesundheitswesen. Nachdem sich die westlichen
Besatzungszonen im September 1949 zur Bundesrepublik
Deutschland formiert hatten, wurde am 7. Oktober 1949 die
Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Thürmer
gehörte bereits der provisorischen Volkskammer an und wurde
bei den ersten Wahlen im Jahre 1950 als einer der Vertreter
der LDPD in die Volkskammer der DDR gewählt. Mehr als 20 Jahre
gehörte er der Volkskammer an und war stellvertretender
Vorsitzender ihres Wirtschaftsausschusses. In der DDR war die
Arbeit in der Volkskammer eine nebenberufliche Tätigkeit. Im
Hauptamt wirkte er von 1951 bis 1967 organisierend und lehrend
in der Hauptabteilung Fernstudium der TH Dresden. Das
Fernstudium war eine ganz neue Form des Studiums, ohne Vorbild
im deutschen Hochschulwesen. Es war auf regulär sieben Jahre
ausgelegt, und die Studenten führten es – gut betreut und
angeleitet - neben ihrer beruflichen Tätigkeit durch. Im
Mittelpunkt stand für sie diszipliniertes Selbststudium anhand
von Lehrbriefen, ergänzt durch regelmäßige Studienblöcke am
Hochschulort und Konsultationen und Lehrveranstaltungen in den
Außenstellen. Das Studium war sehr hart und wurde häufig
abgebrochen. Als effektive Form des Fernstudiums stellte sich
das Abendstudium heraus, das von Thürmer initiiert und gegen
mannigfache anfängliche Widerstände zunächst in seiner
Außenstelle in Dresden eingeführt worden war.
Erwähnt sei, dass Thürmer über seine Frau mit dem ersten
Volkskammerpräsidenten der DDR, Prof. Dr. Johannes Dieckmann,
verschwägert war. Die Schwestern waren Töchter eines dänischen
Superintendenten. – Nicht von ungefähr waren Thürmer und seine
Frau auch in Arbeitskreisen der Evangelischen Kirche
aktiv.
1966 erhielt Dr. Walter Thürmer den Titel „Professor“.
- Wilhelm Vauck, geb. 8.10.1896 in Dresden-Neustadt,
gest. 8.12.1958 in Bautzen
Dr. Wilhelm Vauck
Wilhelm Vauck gehörte zu der Generation von
Männern, die zweimal in den Krieg geschickt wurden. Nach dem
Abitur wurde er 1916 eingezogen und arbeitete im
Nachrichtendienst an der Front. Nach dem Ende des 1.
Weltkrieges nahm er das Studium der Mathematik und Physik an
der TH Dresden auf und legte 1922 die Prüfung für das höhere
Schulamt mit ausgezeichneten Ergebnissen ab. Zwei Jahre später
promovierte er – ebenfalls glanzvoll - bei Gerhard Kowalewski
mit dem „Versuch einer Verallgemeinerung der stetigen nirgend
differenzierbaren Funktion Bolzanos“. Vauck war zunächst
Lehrer an der Realschule in Thum (Erzgebirge) und dann ab 1926
als Studienrat an der Oberrealschule in Bautzen. Ab 1940
leistete er Kriegsdienst als Leiter einer
Entschlüsselungsgruppe. Dass er damit auch zum Aufdecken einer
antifaschistischen Widerstandsgruppe beigetragen hat,
belastete ihn tief bis an sein Lebensende. Aus der
Gefangenschaft entlassen, war er seit 1948 zunächst wieder
Lehrer in Bautzen und wurde später Dozent für Physik und
Elektrotechnik an der Ingenieurschule für Fördertechnik in
Bautzen. [Bidquelle: privat - Familie
Vauck] Vauck liebte die Musik und die Literatur und
schrieb selbst gelegentlich Verse und Gedichte. Das folgende
entstand 1955:
Vor Wielands Spiegel
Nicht lächelt Wielands Milde mehr aus diesem
Spiegelrahmen,
ein fremdes technisch-wägendes Gesicht –
es blickt Dich an, ein Jemand ohne Rang und Namen,
und hält im Spiegel Selbstgericht.
Die vordem sich in diesem Glase ernst gemalt,
sie waren unsern Ahnen kluge Weiser.
Und du, lehrst Du nicht auch, verhaltner zwar und leiser,
Menschen Charakter sein? So hast Du Deine Lebensschuld
bezahlt.
- Suse Weiner, geb. 8.7.1894 in Dresden, gest.
27.3.1985 in Dresden
Suse Weiner
(Vater Architekt und Baumeister, 1
Schwester, 1 Bruder)
Erst mit 24 Jahren nahm Suse Weiner das Studium auf. Das lag
an einem „Umweg“ in ihrer Ausbildung. Die Studienanstalt, an
der Mädchen die Hochschulreife erwerben konnten, wurde in
Dresden 1911 begründet und in diesem Jahr mit der Klassenstufe
Untertertia eröffnet, über die Suse Weiner längst hinaus war.
Ihre derzeitige Lebensplanung sah zunächst kein Studium vor.
1911 hatte sie die höhere Mädchenschule in Dresden-Neustadt
verlassen, um für ein Jahr in der Koch- und Haushaltsschule
von E. Burchardi in Eisenach zu lernen. Sie war drei Jahre
hauswirtschaftlich tätig. Erst danach begann sie sich mit
Hilfe von Privatstunden auf die Reifeprüfung vorzubereiten.
Von Herbst 1916 bis Ostern 1918 besuchte sie die genannte
Studienanstalt in Dresden und verließ sie mit dem Abitur. Sie
studierte in Dresden Mathematik und Physik, unterbrochen von
je einem Semester an den Universitäten Rostock und München,
legte 1923 an der TH Dresden die Prüfung für das höhere
Schulamt ab und promovierte im Jahr darauf bei Gerhard
Kowalewski mit der Arbeit „Zur natürlichen Geometrie der
projektiven Gruppe“. Nach dem Vorbereitungsdienst am
Staatlichen Lehrerinnen-Seminar zu Dresden-Johannstadt,
unterrichtete sie zunächst zwei Jahre an Dresdner
Privatschulen, bis sie 1926 im Dienst der Stadt Dresden an der
Städtischen Höheren Mädchenschule zu Dresden-Neustadt fest
angestellt wurde. An dieser Schule unterrichtete sie – als
Studienrätin - bis zum März 1946, mit einer kurzen
Unterbrechung: Nach den anglo-amerikanischen Bombenangriffen
vom 13. und 14. Februar 1945, die Dresden in Schutt und Asche
legten, arbeitete sie im Dienst der Stadt Dresden zunächst im
Vermissten-Nachweis Laubegast und ab Mitte Juni 1945 an der
Volksschule Wachwitz, bis im Oktober 1945 ihre „alte“ Schule
wieder öffnen konnte. Suse Weiner war „unpolitisch“. Vor 1933
hatte sie keiner Partei und keinen politischen Organisationen
angehört; sie war nur Mitglied des Sächsischen
Philologenvereins gewesen. In der Nazi-Zeit hatte sie
lediglich den Lehrer-Pflichtverbänden angehört, sie galt als
politisch unbelastet und durfte daher in der SBZ (SBZ -
Sowjetische Besatzungszone) weiterhin im Schuldienst tätig
sein.
Im März 1946 nahm sie eine neue berufliche Herausforderung an.
Am 4. September 1945 hatte die SMAD (SMAD - Sowjetische
Militäradministration Deutschland) den Befehl Nr. 50 erlassen,
der verlangte, alle Vorbereitungen zu treffen, um den
Unterricht und die wissenschaftlichen Forschungen an den
höheren Lehranstalten wieder aufnehmen zu können. Erstmals in
Deutschland sollte für alle Schichten des Volkes der Weg zum
Studium prinzipiell geebnet werden. Zur raschen Heranführung
von Arbeiter- und Bauernkindern an die – für sie bisher meist
schon aus finanziellen Gründen unerreichbare – Hochschulreife
wurden „Vorkurse“ eingerichtet. Am 12.2.1946 erließ das Land
Sachsen die Verordnung über die Errichtung von
Vorbereitungskursen für das Studium an Hochschulen. Solche
Kurse wurden im März 1946 in sechs sächsischen Städten
eingerichtet, in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Plauen
und Görlitz; das waren die Städte, in denen es in Sachsen
höhere Schulen gab. (Entsprechende Kurse wurden auch in den
anderen Ländern der SBZ eingerichtet.) Der erste Dresdner
Vorbereitungskurs wurde am 22. März 1946 eröffnet und entließ
im Herbst die ersten 205 jungen Menschen, rechtzeitig zur
Immatrikulation der zum WS 1946/47 neueröffneten TH Dresden.
Ab Oktober 1947 liefen die Kurse unter dem Namen
„Vorstudienanstalt“, und 1949 wurde das Vorstudium als
Arbeiter- und Bauern-Fakultät (ABF) in die Universitäten und
Hochschulen integriert. An der TH Dresden begann die ABF am 1.
Oktober 1949 mit 350 immatrikulierten Arbeiter- und
Bauern-Studenten zu arbeiten.
Von Anfang an, das heißt seit dem März 1946, und bis zu ihrem
Eintritt in das Rentenalter lehrte Suse Weiner als Dozentin in
den Vorbereitungskursen. Bis September 1951 war sie Leiterin
des Fachbereichs Mathematik an der ABF der TH Dresden. Aus
gesundheitlichen Gründen ging sie am 31. August 1954 in den
Ruhestand, behielt aber Kontakt zur ABF und zu ihren früheren
Kollegen und nahm an wichtigen Ereignissen teil, wie etwa an
den Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Gründung der ABF.
Sie hatte trotz des weiten Arbeitsweges stets in ihrem
Elternhaus in Dresden-Niederpoyritz gewohnt und erst im
Rentenalter eine wesentlich zentraler gelegene Wohnung
bezogen, in der sie am 27. März 1985 hochbetagt starb.
- Rudolf Worlitzsch, geb. 6.7.1895 in Radeberg, gest.
20.2.1980 in Radeberg
 Dr.
Rudolf Worlitzsch
(Vater Gerichtsvollzieher)
1914 legte Rudolf Worlitzsch das Abitur an der Oberrealschule
in Bautzen ab. Auch er musste von der Schulbank in den Krieg
ziehen. Nach einer schweren Kopfverletzung entlassen, konnte
er nach seiner Genesung im Jahre 1917 das Studium der
Mathematik und Physik an der TH Dresden aufnehmen. Er legte
1920 die Prüfung für das höhere Schulamt ab und promovierte
1921 bei Gerhard Kowalewski mit der Arbeit „Über graphische
Bögen und die aus ihnen zusammengesetzten Kurven“. Von 1921
bis 1949 unterrichtete er als Lehrer und Studienrat am
Realgymnasium in Radeberg. Dann stellte er sich einer neuen
beruflichen Herausforderung. Zunächst trat er als Dozent in
das Bergtechnikum in Freiberg ein, das zur Wismut gehörte. Von
1951 bis 1956 gehörte er der Bergakademie (BA) Freiberg an:
zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung
Fernstudium, dann am Physikalischen Institut mit einem
Lehrauftrag für Experimentalphysik. Nach einem schweren Unfall
kurz vor Weihnachten des Jahres 1954 arbeitete Worlitzsch in
seinem Hause in Königsbrück für die Bergakademie: Er
überarbeitete Lehrbriefe, sah Buchmanuskripte kritisch durch
und verbesserte und ergänzte die mathematischen Teile, er
schrieb Referate für die von der BA Freiberg herausgegebenen
Zeitschriften. 1956 musste er jedoch invalidisiert
werden.
Rudolf Worlitzsch war vielseitig interessiert. Solange seine
Gesundheit es ihm erlaubte, liebte er Gebirgstouren mit Frau
und Sohn. Später wandte er sich mehr dem Klavierspielen zu,
dem Verseschmieden und der Konstruktion thematischer
Kreuzworträtsel. (Eine Vielzahl von Versen und
Kreuzworträtseln, aber auch von interessanten physikalischen
und mathematischen Schüleraufgaben fanden sich in seinem
Nachlass.)
Quelle der fünf Kurzbiographien:
Voss, Waltraud: Dresdner Mathematikpromovenden zwischen 1912
und 1945. – In: Hartmut Roloff und Manfred Weidauer: Wege
zu Adam Ries, Augsburg 2004, S. 405 – 416.
Zu Wilhelm Vauck und Rudolf Worlitzsch konnte auf Mitteilungen
und Dokumente zurückgegriffen werden, die freundlicherweise von
Angehörigen zur Verfügung gestellt wurden, - denen auch an
dieser Stelle gedankt sei.
Last modified:
20.03.2012 10:39
Author:
Dr. Waltraud Voss
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