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Tipps und Tricks für eine gute "Schreibe"






 

  • Recherche: Damit fängt der Journalismus an

Suchen, nachforschen, erkunden bedeutet auf gut deutsch: recherchieren. Recherche ist für Journalisten das Zusammentragen von Informationen, die schließlich einen Beitrag ergeben. Oder anders gesagt: Die Suche nach bunten Mosaiksteinchen, die sich dann zu einem Gesamtbild fügen. Recherchiertes Material sind alle Dokumente und Unterlagen, die ihr euch beschafft, sind die Mitschriften von Telefonaten und persönlichen Gesprächen, sind auch die Gesprächsaufnahmen, die ihr im Einverständnis mit dem Gesprächspartner gemacht habt.

Eure Mitschülerin Annette erzählt euch in der Pause aufgeregt: "Gestern ist Andreas vor der Schule fast überfahren worden. Wir brauchen hier wirklich eine Ampel, aber die Stadt will uns ja keine hinstellen!" Am Anfang steht die Frage: Ist an der Geschichte überhaupt etwas dran?

Erste Informationen findet ihr vielleicht in Artikeln, die bereits vor einiger Zeit in eurer Schülerzeitung abgedruckt worden sind, in Büchern der Schul- oder Stadtbibliothek oder im Internet. Nun kennt ihr die Problemstellung schon besser, wisst, dass auch die Schülerredakteure vor euch immer wieder das Verkehrsproblem aufgegriffen haben. Es gab vor vier Jahren sogar mal eine Diskussionsrunde in der Aula der Schule mit Vertretern der Stadt. Einen Zebrastreifen hat die Stadt danach vor der Schule angelegt – ohne Ampel.

Nun müsst ihr weiter nachfragen und könnt zum Telefonhörer greifen oder persönliche Gespräche führen. Der Schuldirektor war bei der Diskussion dabei, und er kann euch berichten, wie damals die Diskussion verlief. Außerdem zeigt er euch den Briefwechsel zwischen ihm und der Stadt. Euer Mitschüler Andreas erzählt euch, wie es zu dem Fast-Unfall kam. Er war mitten auf dem Zebrastreifen, als ein Auto auf ihn zuraste. Mit einem Hechtsprung konnte er sich in der letzten Sekunde noch auf den Bürgersteig retten. Haarscharf an seinen Füßen fuhr das Auto vorbei. An seinen Knien und Handflächen seht ihr die Schürfwunden. Zum Glück konnten sich Patrick und Mathias aus der Zehnten das Nummernschild merken. Er selbst habe schon oft beobachtet, dass an dieser Stelle viele Autofahrer viel zu schnell fahren und manchmal nur mit quietschenden Reifen zum Halten kommen, wenn Schüler die Straße überqueren. Aus den gewonnenen Informationen könnt ihr nun entscheiden, ob an der Geschichte etwas dran ist, es sich lohnt, daraus einen Beitrag zu machen. Nun müsst ihr das Recherche-Ziel genau definieren: Worum geht es in der Geschichte?

Was fehlt noch? Jetzt müsst ihr eure Informationen hieb- und stichfest machen, indem Ihr Fakten und Zahlen notiert und fürs Zitieren geeignete Aussagen wörtlich aufschreibt. Der Pressesprecher der Polizei bestätigt euch, dass Andreas diesen Vorfall zur Anzeige gebracht hat. Die Polizei ermittelt jetzt. Außerdem kennt der Pressesprecher die gefährliche Verkehrssituation vor eurer Schule, denn schon einige Eltern haben im Laufe der Jahre darauf hingewiesen.

Es gibt einen klugen Lateiner-Spruch, der da lautet: Audiatur et altera pars. Man soll auch die andere Seite hören. Denn jedes Problem hat mindestens zwei Seiten. Danach gibt es drei Möglichkeiten:

Der Betroffene lehnt eine Stellungnahme ab, was ihr in eurem Beitrag mitteilen müsst.

Der Betroffene stellt seine Sicht der Dinge dar, die Beschuldigung ist strittig, aber immer noch glaubwürdig. Diese Stellungnahme teilt Ihr in eurem Beitrag mit.

Der Betroffene räumt jeden Zweifel daran aus, dass an der Anschuldigung, an dem Vorwurf, an dem Verdacht auch nur das geringste wahr ist. Nun bleibt euch nur noch übrig, den Beitrag im Papierkorb verschwinden zu lassen.

Nun müsst ihr euch zu guter Letzt noch  bei der Stadt erkundigen – der anderen Seite: Deren Pressesprecher teilt euch mit, dass vor rund dreieinhalb Jahren der Zebrastreifen vor Eurer Schule eingerichtet wurde. Nach etlichen Beschwerden der Eltern und der Schulleitung hat die Stadt mehrmals Verkehrszählungen und Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung wird darüber abgestimmt, ob eine Ampel vor eurer Schule aufgestellt wird oder nicht.

Ihr habt nun eine runde Geschichte recherchiert, die Ihr in eurer Zeitung veröffentlichen könnt. Neben den Beitrag könnt ihr dann noch ein Foto von der Verkehrssituation vor der Schule stellen

 

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  • Fragen: Dumme Fragen gibt es nicht

Journalisten dürfen aller Welt mit ihrer Neugier ungestraft auf die Nerven fallen. Sie stellen die ewigen Kinderfragen: Was ist das, warum ist das so, wer hat das getan?

Merkt euch: Dumme Fragen gibt es nicht!!! Nur wenn ihr den Sachverhalt versteht, könnt ihr den auch an eure Leser klar und plausibel weitergeben. Manchmal kostet es eine gute Portion Mut nachzufragen, gerade wenn man es mit einem Experten zu tun hat, der dann auch noch ganz selbstbewusst in seinem Fachchinesisch spricht, so als wenn es das Selbstverständlichste von der Welt sei. Fachchinesisch oder die Allgemeinplätze der Politiker dienen oft dazu, nur nichts Konkretes sagen zu müssen. Also fragt nach (Beispiel): Was meinen Sie mit Internationalisierung? oder Wie soll praktisch die Internationalisierung umgesetzt werden? Ihr werdet sehen, sobald die Experten erklären müssen, wie konkret mit einem Mal der Sachverhalt wird, versteht ihr die Sache.

Wie wichtig es ist, nicht so zu tun, als wenn man alles kapiert, was gesagt wird, sondern nachfragt, seht ihr an folgender Begebenheit:

Eine Volontärin der Deutschen Presseagentur (dpa) in Frankfurt/Main, eigentlich eine selbstbewußte Frau Mitte 20, mußte zur Pressekonferenz einer Fluggesellschaft. Da saß sie nun zwischen den Wirtschaftsexperten von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Handelsblatt usw. Brav schrieb sie mit, was der Pressesprecher der Fluggesellschaft erzählte. Der sprach immer von Abflottung. "Verdammt noch mal, was meint der damit?", fragte sie sich immer wieder. Die Pressekonferenz ging dem Ende entgegen, die Wirtschaftsexperten hatten schon Stifte und Blöcke eingepackt, und die Volontärin wußte noch immer nichts mit der Abflottung anzufangen. Was sie letztlich in ihrem Bericht schreiben sollte, war ihr nicht so ganz klar. "Auch wenn ich mir jetzt vor allen eine Blöße gebe, frage ich nach", hatte sie sich vorgenommen. Mit wackeligen Knien ging sie ans Mikrofon und fragte. Siehe da: Hinter der Abflottung verbarg sich der Verkauf von etlichen Flugzeugen und damit auch der Abbau von Arbeitsplätzen. Haste nicht gesehen, zogen die vermeintlichen Wirtschaftsexperten blitzschnell wieder Stifte und Blöcke hervor, um ja nichts von der Antwort zu verpassen.

Und manchmal taucht auch während des Schreibens noch eine Frage auf, irgend etwas ist euch unklar geblieben, oder ihr seid euch unsicher, ob ihr das richtig verstanden habt. Kein Problem, dafür gibt es das Telefon oder die Nachfrage per E-Mail. Ein kurze Anfrage genügt, und ihr seid schlauer. Lieber noch einmal nachfragen, als hinterher eine Richtigstellung drucken zu müssen! Eine gute Methode, euch zu vergewissern, ob ihr alles verstanden habt, ist das Rekapitulieren: Am Ende eines Gesprächstermins könnt ihr dann noch einmal mit euren eigenen Worten den Sachverhalt wiederholen. Der Experte wird eingreifen, falls etwas unstimmig ist oder fehlt.

 

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  • Nachricht: von der Kunst der puren Information

Nachrichten informieren über Tatsachen. Sie bilden den harten Kern des Tagesgeschehens, und sie sind das Gerüst einer Zeitung: Am Anfang steht die Information, dann erst folgen Kommentare, Leitartikel, Reportagen und Features.

Wer Nachrichten schreibt, mussit Worten und Sätzen geizen, denn Nachrichten sind karg, kurz und haben einen streng formalisierten Aufbau.

Allen Nachrichten gemeinsam sind die berühmten sechs W: Wer? Wo? Wann? Was? Wie? Warum? Der Sachverhalt muss klar und unmissverständlich wiedergebenen werden. Kurze Sätze sind dabei besser als lange, anschauliche, präzise Begriffe besser als mehrdeutige.

Die eherne Regel im Nachrichtenjournalismus besagt, dass jeder folgende Absatz weniger wichtig ist als der vorherige. Das Wichtigste gehört also ganz nach vorne. Der erste Absatz soll als in sich geschlossene, komplette Nachricht laufen können, was bei Streichungen – von unten weg natürlich – wichtig ist. Schließlich kann es passieren, dass kurz vor Redaktionsschluß beispielsweise eine Zeitungsseite noch einmal aufgerissen wird, um eine aktuelle Nachricht unterzubringen. Eine andere Nachricht muss und kann dann, wenn sie nach diesem Prinzip aufgebaut ist, schnell gekürzt werden.

Der Journalist ist gezwungen, zu interpretieren, was er für das Wichtigste hält. Dennoch muss er objektiv für seine Leser auswählen. Nicht immer ist das Ereignis das Wichtigste: Bei einem Kapitalverbrechen kann das zum Beispiel auch das Motiv sein. In den wenigsten Fällen genügt es, sich an das äußere Geschehen zu halten. Die Fähigkeit der Analyse, der Recherche und der Wertung sind gefragt, wie das nachfolgendes Beispiel zeigt: Im soeben von der Stadt verabschiedeten Haushalt muss der Kern der Nachricht nicht etwa das Zahlenwerk sein, sondern der dringend erforderliche Schulneubau oder die Erhöhung der Abwassergebühren.

Ganz wichtig ist es beim Nachrichtenschreiben, dass die Fakten stimmen: Namen und Alter von Personen, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen, korrekt wiedergebene Zitate, als solche auch gekennzeichnet usw. Richtigkeit und Genauigkeit verleihen der Nachricht erst die Seriosität. Wenn ihr unsicher seid, ob ein Sachverhalt oder eine Aussage stimmt, müsst ihr im Text auf die Ungewissheit hinweisen. Gibt es unterschiedliche Meinungen zu einem Sachverhalt, müsst ihr die unterschiedlichen Argumente ausgewogen und vollständig wiedergeben. Wertungen, die sich vor allem oft durch Adjektive und besitzanzeigende Fürwörter einschleichen (z. B. der "überraschende" Rücktritt oder die "drängenden" Probleme) sind zu vermeiden. Nachricht und Kommentar, Information und eigene Meinung sind zu trennen. Im Anschluss an die Nachricht ist Platz genug, eure eigene Meinung zu einem Sachverhalt in einem Kommentar zu äußern.

Und noch etwas: Nachrichten schreiben ist ein politischer Akt, Nachrichten nicht zu veröffentlichen ist ebenfalls ein politischer Akt!

 

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  • Bericht: der "Zwillingsbruder" der Nachricht

"50 bis 120 Zeilen sind für die Pressekonferenz bei der Polizei vorgesehen, je nachdem, was dabei herauskommt." Wenn ihr mit dieser Zeilenvorgabe zu einem Termin geschickt werdet, dann wisst ihr, der Redakteur möchte gerne einen Bericht geliefert bekommen. Der Bericht ist wie die Nachricht eine tatsachenbetonte Darstellungsform, aber schon allein die Zeilenvorgabe ist eines der Merkmale, das den Bericht von der Nachricht unterscheidet.

Berichte sind die häufigste Aufgabe der Journalisten, dabei geht es meistens nicht um die große Weltpolitik, sondern um politische, gesellschaftliche oder kulturelle Ereignisse vor Ort. Über die reine Nachricht hinaus könnt ihr dabei Hintergründe, Zusammenhänge, die Vorgeschichte und andere Aspekte des Ereignisses berücksichtigen. Walter von La Roche nennt den Zeitungsbericht einen "Zwillingsbruder der Nachricht, aber größer geraten und auch schon ein wenig reifer".

Aber Vorsicht: Ihr als Schreiber bleibt weiterhin im Hintergrund, Eure Meinung, Eure Interpretation sind nicht gefragt. Es gilt weiterhin, den Leser sachlich zu informieren.

Im ersten Absatz des Berichtes sollten die sechs "W" genannt werden. Ein Bericht läßt sich zwar nicht Satz für Satz von hinten wegkürzen, aber dafür Absatz um Absatz. Sucht bei euren Terminen das Besondere des Ereignisses, vermeidet Allgemeinplätze, nennt Personen und wichtige Details beim Namen. Verlasst euch vor allem nicht auf Pressemitteilungen, die euch in die Hand gedrückt werden. Jeder Verein, jede Institution verfolgt damit ein Eigeninteresse – nämlich Werbung. Prüft deshalb die Quellen genau und benennt in eurem Bericht gegebenenfalls Widersprüche oder Konfliktpunkte.

 

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  • Reportage: Unterhaltsam schildern

Reportage heißt: rausfahren, schauen, hören, riechen, fühlen, um dann im Leser Bilder zu erzeugen. Die Reportage ergänzt die Nachricht oder den Bericht. Der strenge Aufbau für Nachrichten und Berichte nach dem Prinzip der abnehmenden Wichtigkeit gilt für die Reportage nicht. Auch das Verbot, Information und Meinung zu mischen, ist bei dieser journalistischen Form aufgehoben. Der Reporter muss sich auch nicht an die Chronologie der Ereignisse halten.

Der Journalist ist bei der Reportage der Augenzeuge eines Ereignisses – gewissermaßen nimmt er den Leser an die Hand und geht mit ihm auf "Patrouillengang". Er sieht sich nicht nur für ihn in der Welt um, er darf ihm auch sagen, was er davon zu halten hat. Das geschieht aber nicht in der Art des Kommentars, sondern sehr viel subtiler: Die Schilderungen müssen so eindringlich sein, dass der Leser ganz selbstverständlich die Ansicht des Reporters nachvollzieht. Der Leser muss die Wahrnehmung und Ansicht des Journalisten nachleben. Der Reporter muss mit seinem Beitrag Bilder im Leser erzeugen und da beginnt die Kunst, Reportagen zu schreiben. Der Komponist Gustav Mahler sagte einmal zu einem seiner Verehrer: "Sie brauchen diese Landschaft nicht zu sehen, ich habe sie schon für Sie gestaltet."

Der Klassiker ist die Hörfunk-Reportage – der Augenzeugenbericht. Ein Klassiker ganz anderer Art wurde das als Reportage getarnte Hörspiel "Krieg der Welten" von Orson Welles (nach dem Roman von H. G. Wells), das als Augenzeugenbericht aufgebaut war. Inhaltlich geht es da um die Invasion der Erde durch Lebewesen vom Mars. Die Folge: Hunderte amerikanischer Familien flüchteten damals aus den Städten, weil sie glaubten, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen. Ein kokettes Spiel mit der Realität und Wahrheit.

Eine Reportage muss wahrhaftig sein, dafür braucht der Reporter eine wache Beobachtungsgabe – sehen, hören, riechen und fühlen – die einfühlsam macht für das Leben um uns herum. Vor Ehrfurcht darf der Reporter dabei nicht erstarren, er muss sich zu Hause immer daran erinnern, was er gesehen und gehört hat. Kaum ein Detail ist unwichtig, dass man es sich leisten kann, es zu übersehen. Auch das Atmosphärische ist wichtig: In welchem Raum findet etwas statt? Wie ist die Stimmung? Welchen Eindruck macht ein Mensch auf uns, den seine Worte auslösen?

Zitate müssen mitgeschrieben werden, die später der Reportage Farbe geben.

Auf der ersten Stufe der Reportage wird gesammelt: Man "fotografiert" mit dem Stift alles, was man wahrnimmt. Weit mehr als die Hälfte dessen, was der Reporter letztlich auf seinen Block geschrieben hat, wird er auf der zweiten Stufe – am Schreibtisch – weglassen. Wie beim Kochen, wird die Fleischbrühe schließlich zu einem Extrakt verdichtet. Dafür muss der Journalist eine Art Perlenschnur finden, ein geistiges Band, das die Reportage zusammenhält. Die Reportage muss stilistisch durchgefeilt sein, sie lässt Wärme und Einfühlsamkeit mit den Informationen und Einordnungen zu einem Bild zusammenfließen.

Das alles braucht Geduld und Übung, Übung, Übung ...

Der mehrfach ausgezeichnete Reporter Cordt Schnibben hat seine Arbeit distanziert einmal so beschrieben:

"Die wenigsten machen sich eine Vorstellung davon, wie mühsam sie ihre Notizblöcke füllen. Wie übel es ist, wildfremde Menschen über ihre Meinung zum Kondom, zu den Türken oder zu ihrer eigenen Perspektivlosigkeit zu befragen. Wie lächerlich man sich vorkommt, wenn man mit ansehen muss, wie in vier Tagen aus einem Gebirge von Stangen nichts weiter als eine große Open-Air-Bühne wächst. Und welcher Leser weiß schon, dass man elf Stunden auf einem Parteitag sitzt, nur um aus den unaufhörlichen Redefluss ein paar lächerliche Sätze herauszufischen – wie ein Wal, der Tonnen von Wasser in sich hineinschwappen lässt für ein paar Gramm Plankton."

 

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  • Kommentar: Meinung haben

Nach der Pflicht – den Nachrichtenmeldungen und dem Bericht - kommt nun die Kür: der Kommentar. Der Kommentar interpretiert und analysiert ein aktuelles Ereignis. Grundsätzlich bieten sich alle Nachrichten zum Kommentieren an, aber ihr sollt euch fragen, fordert das Thema eine Stellungnahme heraus? Ist die Öffentlichkeit an einer Meinungsäußerung interessiert? Gehört der Stoff zu den wichtigsten Themen der Ausgabe? Wenn ihr die drei Fragen mit "Ja" beantwortet, könnt ihr loslegen!

Drei Arten von Kommentaren werden unterschieden:

Der Argumentations-Kommentar: Wer argumentiert, will andere überzeugen. Der Journalist vertritt eine Meinung. Im Vordergrund steht die Argumentation und die Gründe, warum der Standpunkt vertretenswert ist oder nicht.

Der Geradeaus-Kommentar: Je nach Thema und Temperament des Journalisten wird in dem Kommentar "geradeheraus" begeistert gelobt oder verärgert geschimpft. Der Journalist verzichtet auf das Argumentieren.

Der Einerseits-andererseits-Kommentar: Bei dieser Kommentar-Form werden Alternativen abgewägt – das Einerseits und Andererseits bedacht. Im Vordergrund steht die Gedankenführung des Journalisten, wenn die Komplexität eines Themas eine klare Stellungnahme verhindert. Die Botschaft an die Leser lautet: Leute, da gibt es so viel zu bedenken, die Gewichte sind gleich verteilt, ich kann mich nicht (oder noch nicht) entscheiden.

Eure Kommentare sollen verständlich sein, Eure Gedankenführung, Eure Kenntnisse über ein Thema muß für die Leser nachvollziehbar sein, damit sie Euren Argumenten folgen können. Ihr dürft nach dem Presserecht jedoch niemanden beleidigen, verleumden oder beschimpfen, aber ihr dürft Eure Meinung in einem Kommentar darstellen, und eure Meinung muss nicht jedem gefallen. Dafür haben dann die Leser die Möglichkeit, einen Leserbrief zu schreiben, in dem sie sich auf euren Kommentar beziehen und ihre Ansichten der Sache darlegen können. So sind die Spielregeln!

Übrigens gibt es noch zwei meinungsäußernde Darstellungsformen: den Leitartikel und die Kolumne. Der Leitartikel ist länger als der Kommentar. Er ist gewissermaßen das Flaggschiff einer Zeitung. Er gibt die Meinung der Redaktion zu dem Ereignis des Tages wieder und damit auch die Tendenz der Zeitung. Die Kolumne hingegen ist der Meinungsartikel eines oft bekannten Publizisten. Hier schreibt ein Einzelner seine Meinung, weshalb die Kolumne mit Namen gekennzeichnet sein muß. Der Text wird im Ganzen von der Redaktion unredigiert abgedruckt.

 

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  • Glosse: Bissiges aus spitzer Feder

Reinhardt Stumm, Feuilletonchef der Baseler Zeitung, hat die Glosse einmal folgendermaßen charakterisiert: "Polemisch, ohne Zugeständnisse, ohne Einräumungen. Die Schwäche des Gegenstandes genau erfassend. Nicht argumentierend, sondern bloßstellend, nicht abwägend, sondern hart, ironisch, witzig, listenreich ... Die Pointe muss überraschend, überzeugend, schlagend sein." Glossenschreiben läßt sich schwer erlernen, weil neben dem Handwerk eine gehörige Portion Mutterwitz und Boshaftigkeit hinzukommen müssen. Die deutschen Edelfedern der Glosse schreiben täglich in der "Süddeutschen Zeitung" auf Seite eins unter der Rubrik "Das Streiflicht". Die "Streiflichtler" haben einen ganzen Tag lang Zeit, ein aktuelles Thema zu glossieren. Ihr seht, Glossenschreiben braucht Zeit, da muss am Text gefeilt, intelligente, überraschende Wortspiele erfunden werden. Hier ein Beispiel aus einer Tageszeitung:

Wer von seiner Körpergröße her eher zu den kleineren Menschen zählt, der hat es manchmal gar nicht einfach. Ich will nicht über die Ärmel der neu gekauften Jacke sprechen, die natürlich zu lang sind – wie immer, weil sich die Designer grundsätzlich an den Gardemaßen der mindestens 1,80 Meter großen Mannequins orientieren. Nein, ich werde mich auch nicht auslassen über die großen Dresdner, die sich im Kino garantiert auf den freien Platz vor mich setzen, wenn ich mich gerade gemütlich in meinen Plüschsessel gelümmelt habe. Es geht hier um essenziellere Dinge des Lebens: Wie komme ich an mein durstlöschendes Wasser? Ich meine nicht das profane Leitungswasser aus dem Hahn, sondern so richtig schön in einer Glasflasche abgefülltes Mineralwasser. Nun sagen Sie, ich soll doch einfach mal in einen Supermarkt gehen. Das habe ich längst gemacht. Doch wie, bitte schön, soll ich das Geschäft mit einem vollen Kasten Wasser verlassen, wenn ich dafür erst einmal wachsen oder das Klettern lernen muss?Wasserkästen werden nämlich aufgetürmt gelagert, um Platz zu sparen. Spezialisten bringen es übrigens auf sieben Kisten übereinander gestapelt. Das sind 7 mal 40 Zentimeter Kistenhöhe, sprich 2,80 Meter insgesamt. Da ich mich weigere, mit einem Gabelstapler einkaufen zu fahren, werde ich das nächste Mal den freundlich lächelnden Verkäufer bitten, mir einen Wasserkasten herunterzuholen.

 

Texte: Birte Urban

 

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Stand: 25.06.2012 10:50
Autor: Pressestelle



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