|
|
Donald L. Horowitz über Konflikte in Demokratien und deren verfassungsrechtliche Herausforderungen - Bericht zum Vortrag am 23.04.2013
Die ‚Lisa and Heinrich Arnhold Lecture‘ im Sommersemester 2013
– Gastvortrag von Donald L. Horowitz
Am 23. April 2013 begrüßte der Lehrstuhl für Politische Theorie
und Ideengeschichte Donald L. Horowitz, James B. Duke Professor
of Law and Political Science an der Duke University, North
Carolina, der im Rahmen der ‚Lisa and Heinrich Arnhold
Lectures‘ einen Vortrag zum Thema „Democratic Puzzles: Ethnic Conflict and Interethnic
Compromise” hielt.
In Erinnerung an die Tradition der Diskussionsabende, welche
bis zum Beginn der Entrechtung und Verfolgung der jüdischen
Bevölkerung in Deutschland regelmäßig im Hause der Dresdner
Bankiersfamilie Arnhold stattfanden, begründete der jüngste
Sohn von Lisa und Heinrich Arnhold, Henry Arnhold, im Jahr 2001
die “Lisa and Heinrich Arnold Lectures”. Dessen
Vater, Heinrich Arnhold, geboren 1885 und gestorben 1935
in Dresden, war Mitbegründer der Gesellschaft von Freunden und
Förderern der TU Dresden e.V. und wegen seiner Verdienste um
die Hochschule seinerzeit zu deren Ehrensenator ernannt worden.
Die ihm und seiner Frau gewidmete Vortragsreihe
der “Lisa and Heinrich Arnold Lectures” findet einmal im
Semester in Kooperation der American Academy in Berlin mit
dem Zentrum für Verfassungs- und Demokratieforschung
(ZVD) und dem Lehrstuhl für Politische Theorie und
Ideengeschichte an der TU Dresden statt.
Nach der Einführung in die ‘Lisa and Heinrich Arnhold Lecture’
des Sommersemesters 2013 durch Prof. Hans Vorländer, Inhaber
des Lehrstuhls für Politische Theorie und Ideengeschichte und
Direktor des ZVD an der TU Dresden, sprach Donald L. Horowitz
über den Zusammenhang von Verfassung, politischem System und
innergesellschaftlichem Dissens.
Als ausgewiesener Experte forscht Horowitz insbesondere zu
ethnischen Konflikten in demokratisch verfassten Gesellschaften
und deren Implikationen hinsichtlich des
Verfassunggebungsprozesses sowie der konkreten Ausgestaltung
politischer Machtverhältnisse. In diesem Zusammenhang ist vor
allem seine Publikation Ethnic Groups in
Conflict aus dem Jahr 1985 zu nennen. Auch in seinem
aktuellen Buch
Constitutional Change and Democracy in
Indonesia,
das im März
diesen Jahres erschien, ebenso wie in seinem derzeitigen
Forschungsprojekt ‚Constitutional Design for Severely Divided
Societies‘, an dem er momentan als Siemens Fellow an der
American Academy arbeitet, befasst sich Horowitz in
vergleichender Perspektive mit der Frage, welche
institutionellen und konstitutionellen Arrangements einen
interethnischen Konsens ermöglichen oder schlechterdings
verhindern.
In seinem Vortrag an der TU Dresden am 23. April 2013 stellte
Horowitz zwei Möglichkeiten der Ausgestaltung einer
demokratischen Ordnung vor. Während das Modell einer
konsoziativen Demokratie (consociational
democracy) durch die Beteiligung aller konkurrierender,
ethnischer Gruppen gekennzeichnet ist und daher zu einer
gewissen Trägheit in der Entscheidungsfindung neigt, zeigt sich
das Modell einer zentripetalen Demokratie (centripetal democracy) zwar entscheidungseffektiver,
birgt jedoch zugleich das Risiko der Abschwächung von
Minderheitsrechten durch eine dominierende Mehrheit.
Abhängig von komplexen Faktoren, wie soziokultureller und
sozioökonomischer Differenzen, innergesellschaftlicher
Dynamiken usw., bedarf es einer genauen Untersuchung, welches
der beiden Modelle jeweils geeignet ist, die Konflikte einer
zersplitterten Gesellschaft mit einer intelligenten
Ausgestaltung der Verfassung sowie des Wahlrechts in
Kompromisse zu überführen.
Dass es sich dabei um ein äußerst kompliziertes und
spannungsreiches Unterfangen handelt, zeigte auch die angeregte
Diskussion mit den Dresdner Studierenden im Anschluss, in der
deutlich wurde, dass es eines langen, multiperspektivischen
Aushandlungs- und Analyseprozesses bedarf, um in einer jungen
Demokratie auf Dauer stabile soziale und politische
Verhältnissen zu schaffen. |
AktuellesKontaktProf. Dr. Hans Vorländer Tel.: +49 351 463-35865 Marlen Gnerlich, M.A. Tel.: +49 351 463-35865
|