Die vorherrschende
Basistechnologie informationsverarbeitender
Systeme ist seit mehreren Jahrzehnten die
sog. "Complementary Metal Oxide Semiconductor
(CMOS)"-Technologie (komplementäre Metall-Oxid-Halbleiter).
Seit den 1960er Jahren wird der Fortschritt in der
Elektronik durch das Mooresche Gesetz -
die fortwährende Erhöhung der Integrationsdichte von
Bauelementen - bestimmt. Dies hat in der Vergangenheit zu der
rasanten Entwicklung in der Informations- und
Kommunikationstechnologie geführt und eine generelle
Erwartungshaltung an extrem kurze Innovationszyklen und
immer neue Anwendungsmöglichkeiten erzeugt.
Tatsächlich waren die Fortschritte in der Elektronik in
den vergangenen Jahrzehnten die Triebkraft für
Innovationen in den verschiedensten Anwendungsfeldern und haben
damit die Welt, in der wir heute leben, massiv verändert.
Inzwischen erreicht die CMOS-Technologie jedoch atomare
Grenzen, und die negativen Auswirkungen der stetigen
Verkleinerung können immer schlechter abgefedert
werden. Somit scheint das Mooresche Gesetz in
absehbarer Zeit seine Gültigkeit zu verlieren. Daher
können langfristige Innovationen in der Elektronik nicht
mehr nur auf höheren planaren Integrationsdichten beruhen.
Stattdessen müssen neue Wege gefunden werden, um die heutigen
und zukünftigen Ansprüche an elektronische
Informationsverarbeitung zu meistern. Diese sind besonders:
Größe (Formfaktor), Geschwindigkeit, Energieeffizienz, neue
Funktionalitäten, Selbstassemblierung/-organisation,
Adaptivität, Zuverlässigkeit, Kosten.
Derzeit sind die Verbesserungsmöglichkeiten in der
CMOS-Technologie noch nicht voll ausgeschöpft, und
Industrie-Roadmaps reichen bis ca. 2022. Gleichzeitig hat die
vergangene Dekade beachtliche Fortschritte in den
Materialwissenschaften hervorgebracht, die zu vielen
aussichtsreichen Entdeckungen geführt haben. Obwohl die
Materialforschung weiter vorangetrieben werden muss, haben doch
einige Erkenntnisse ein Niveau erreicht, das eine
Weiterentwicklung hinsichtlich konkreter Bauelemente und
Informationsverarbeitungssysteme rechtfertigt. Da das Ende der
Skalierbarkeit in der CMOS-Technologie nach 2020 absehbar ist,
wird sich auch die Industrie umorientieren von einer immer
weiteren und unverhältnismäßig teueren Verbesserung von
CMOS hin zu völlig neuen Ansätzen für integrierte Elektronik.
Ausgehend von diesen beiden Entwicklungen glauben wir, dass
universitäre Forschung jetzt die einzigartige
Gelegenheit hat, die Entdeckungen der
Materialwissenschaften in technologische Innovationen zu
überführen und damit der elektronischen
Informationsverarbeitung eine Perspektive über 2020 hinaus zu
eröffnen.
Konkret ist es die Vision des geplanten
Exzellenzclusters "Center for Advancing Electronics Dresden
(cfAED)", dass zukünftige CMOS-Technologie um völlig neuartige
Technologien ergänzt und erweitert wird ("Augmented CMOS") und
daraus heterogene Systeme für hoch-effiziente
Informationsverarbeitung entstehen.