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Umfassende DFG-Förderung für die Psychologie und die Medizin der TU Dresden

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den Sonderforschungsbereich (SFB) 940 an der Fachrichtung Psychologie der TU Dresden bewilligt, der sich mit der willentlichen Kontrolle der eigenen Gefühle und Handlungen beschäftigen wird. Darüber hinaus wurde der Transregio 127 genehmigt, an dem Mediziner der TU Dresden beteiligt sind und der sich der Erforschung neuer Transplantationswege mit Tiergeweben und -organen widmet. Damit verfügt die TU Dresden jetzt über insgesamt sechs SFBs und ist an sechs Transregios beteiligt.

SFB 940 „Volition und kognitive Kontrolle“

Wie funktioniert willentliche Kontrolle der eigenen Gefühle und Handlungen?

Welche kognitiven Prozesse und neuronalen Systeme liegen der Fähigkeit zugrunde, Handlungen, Gedanken und Gefühle willentlich zu kontrollieren? Warum gelingt es Menschen bei der Verfolgung wichtiger Ziele häufig nicht, kurzfristigen Versuchungen zu widerstehen oder eingeschliffene Gewohnheiten zu überwinden? Wie werden kognitive Kontrollprozesse durch Emotionen und sozialen Stress beeinflusst, und warum kommt es bei bestimmten psychischen Störungen zu massiven Beeinträchtigungen der willentlichen Selbststeuerung? Diesen Fragen wird ein interdisziplinäres Forscherteam aus Psychologen, Medizinern und Neurowissenschaftlern an der TU Dresden im Rahmen des neuen SFB 940 „Volition und kognitive Kontrolle“ nachgehen. Die DFG fördert den Forschungsverbund mit ca. 11,5 Milionen Euro für zunächst vier Jahre. Das langfristige Ziel des SFBs besteht darin, die kognitiven und neuronalen Mechanismen zu entschlüsseln, die der willentlichen Kontrolle von Handlungen und Gefühlen zugrunde liegen und besser zu verstehen, wie es zu Beeinträchtigungen der Selbststeuerungsfähigkeit kommt. Der SFB adressiert damit ein Thema, das sowohl für die Grundlagenforschung als auch für praktische Anwendungsfelder von zentraler Bedeutung ist. So gehört die Fähigkeit, zielgerichtet zu handeln, künftige Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu antizipieren und bei der Verfolgung langfristiger Ziele impulsive oder gewohnheitsmäßige Reaktionen zu unterdrücken, zu den beeindruckendsten, zugleich aber am wenigstens verstandenen Leistungen, zu denen uns unser Gehirn befähigt. Mit einem integrativen Forschungsprogramm, das ein breites Spektrum psychologischer und kognitiv-neurowissenschaftlicher Methoden kombiniert, sollen die Mechanismen der willentlichen Handlungssteuerung sowohl auf psychologischer als auch neurobiologischer Ebene untersucht werden. In der ersten vierjährigen Förderphase werden drei Hauptziele verfolgt:

  • Mechanismen. Eine Projektgruppe wird untersuchen, welche kognitiven Prozesse und neuronalen Systeme der Aufrechterhaltung und Umsetzung von Absichten, der flexiblen Anpassung des Verhaltens an wechselnde Anforderungen und der willentlichen Regulation der eigenen Emotionen zugrunde liegen.
  • Modulatoren. Eine zweite Projektgruppe wird sich der Frage widmen, wie kognitive Kontrollprozesse ihrerseits durch Emotionen und akuten Stress beeinflusst werden.
  • Dysfunktionen. Eine dritte Projektgruppe wird Mechanismen gestörter willentlicher Kontrolle bei ausgewählten psychischen und neurologischen Störungen untersuchen, wobei der Fokus in der ersten Förderperiode auf Suchterkrankungen, Essstörungen, der bipolaren Depression und der Parkinsonkrankheit liegen wird.

Die drei Projektgruppen werden ergänzt durch ein Integriertes Graduiertenkolleg, das ein strukturiertes Programm für eine exzellente interdisziplinäre Ausbildung und gezielte Förderung der wissenschaftlichen Eigenständigkeit und Weiterqualifikation der am SFB arbeitenden Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler/innen bieten wird.

Innerhalb der TU Dresden verstärkt der SFB die Profillinie I „Gesundheitswissenschaften, Biomedizin und Bioengineering“ durch einen neuen Schwerpunkt im Bereich der psychologischen und kognitiv-neurowissenschaftlichen Forschung. Der Sprecher des SFBs, Prof. Thomas Goschke, betont, dass die TU Dresden ein exzellentes Umfeld für den SFB und dessen Ziel bietet, ein international sichtbares Zentrum zur Erforschung menschlicher Handlungssteuerung zu etablieren: „Der SFB kann auf ein über zehn Jahre gewachsenes Netz von erfolgreichen Kooperationen sowohl innerhalb der Fachrichtung Psychologie als auch mit der Medizinischen Fakultät Carl-Gustav Carus aufbauen. Von der engen interdisziplinären Zusammenarbeit im Rahmen des SFBs erhoffen wir uns nicht nur neue Einsichten in die neurokognitiven Grundlagen der willentlichen Handlungssteuerung, sondern auch ein besseres Verständnis von Störungen der willentlichen Selbststeuerung“.

Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. Thomas Goschke, Tel. +49 351 463-34695, Mobil: 0151 11667644
goschke@psychologie.tu-dresden.de

SFB/Transregio 127 „Biologie der xenogenen Zell- und Organtransplantation – vom Labor in die Klinik“

Dresdner Spitzenmediziner erforschen neue Transplantationswege mit Tier-Geweben und -Organen

Die DFG fördert mit mehr als 13 Millionen Euro den SFB/Transregio „Biologie der xenogenen Zell- und Organtransplantation – vom Labor in die Klinik“. Neben Spitzenmedizinern der TU Dresden erforschen Wissenschaftler der LMU München, der TU München, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie weiterer vier Forschungsinstitute neue Wege der Organ-, Gewebe- und Zelltransplantation.

Organ- und Zelltransplantationen sind bei manchen chronischen Erkrankungen eine Behandlung der Wahl, bei denen andere Therapien keinen Erfolg (mehr) versprechen. Dies ist beispielsweise bei einer Leberzirrhose der Fall, einem drohenden oder bereits eingetretenen Nierenversagen oder bei einem Typ-1-Diabetes mellitus mit schwerem Krankheitsverlauf. Ins Spektrum der Transplantationen gehört auch die Inselzelltransplantation, die zurzeit deutschlandweit nur in Dresden angeboten wird. Dabei werden Insulin-produzierende Zellen aus einem Spenderorgan (Bauchspeicheldrüse) entnommen, aufwändig aufbereitet und anschließend dem Empfänger in die Leber gespritzt.

„Die Zusage der DFG für einen Forschungsverbund dieser Größe unterstreicht einmal mehr, welche Bedeutung Transplantationen als Therapie in der Medizin haben. Und die Bedeutung und Notwendigkeit von Transplantationen wird in Zukunft weiter zunehmen“, so der wissenschaftliche Sekretär und Dresdner Standortsprecher des Transregio 127, Professor Stefan R. Bornstein, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Bornstein und weitere Dresdner Spitzenmediziner gehören zum Transregio 127, der eine Kooperation von Experten aus Grundlagen-, translationaler Forschung sowie Transplantationsmedizin darstellt. Prof. Bornstein: „Viele Menschen warten vergeblich auf ein lebensrettendes Organ, weil das Angebot an Spenderorganen viel geringer ist, als die Zahl der potenziellen Empfänger. Darum suchen wir neue Wege, die zukünftig mehr Menschen helfen können.“ Neue Transplantationswege erhoffen sich die Wissenschaftler durch die Erforschung xenogener Transplantationen oder Xenotransplantationen. Bei dieser Form der Transplantation gehören die Gewebe- oder Organ-Spender einer anderen Art an als die Empfänger.

Der Schwerpunkt des Dresdner Beitrags im deutschlandweiten Forschungsverbund liegt bei der Inselzelltransplantation. So beschäftigt sich ein Projekt der Dresdner Wissenschaftler am Universitätsklinikum und am Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD) Prof. Triantafyllos Chavakis, Dr. Claudia Waskow und Dr. Barbara Ludwig mit dem frühen Funktionsverlust transplantierter Inselzellen durch eine früh einsetzende Abstoßungsreaktion. Die Wissenschaftler haben hier die biologischen Mechanismen im Endothel (Gefäßwandauskleidung) der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blick. Im Mausmodell untersuchen sie die Immunantwort durch Implantation von Schweinezellen in Mäuse mit humanisiertem Immunsystem.  

Ein weiteres Projekt der Forscher Dr. Barbara Ludwig und Prof. Stefan R. Bornstein beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Kammer für Inselzellen, die Insulin-produzierende Zellen enthält und in den Körper des Empfängers eingesetzt wird. Entscheidender Vorteil dieser Kammer im Vergleich zur bisherigen Inseltransplantation soll sein, dass sie eine Immunisolation bietet. Der Empfänger bräuchte keine Immunsuppressiva mehr einzunehmen, da die Kammer zwar eine kontrollierte Sauerstoffversorgung der Inselzellen erlaubt und das produzierte Insulin aus der Kammer in den Körper leitet, die Inselzellen jedoch vor der Immunantwort des Empfängers, nämlich der Abstoßung der Zellen, schützt.

In einem dritten Projekt erforschen die Dresdner Mediziner Substanzen, die Entzündungs- und Abstoßungsreaktionen gegen Inselzellen verhindern sollen, die nach bisherigen Verfahren in die Leber gespritzt werden. Ein weiteres viertes Projekt der Dresdner Forscher am CRTD und Paul Langerhans Institut Dresden unter der Leitung von Dr. Stephan Speier, Prof. Michele Solimena und Prof. Ezio Bonifacio beschäftigt sich mit der einmaligen Möglichkeit, das Überleben der insulinproduzierenden Langerhansschen Inseln in einem Transplantationsmodell im Augenhintergrund von Tieren darzustellen.
Mit diesem Verbund ist Deutschland weltweit an vorderster Front, das Gebiet der Transplantationsmedizin entscheidend zum Wohl der Patienten voranzutreiben.

Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. med. Stefan R. Bornstein, Tel.: +49 351 458-5955
stefan.bornstein@uniklinkum-dresden.de


Stand: 25.05.2012 09:20
Autor: Pressestelle (Zuständig für die Presseinformationen) abgelaufen

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