Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 22.
November 2011 die Förderung des Sonderforschungsbereichs (SFB)
639 „Textilverstärkte Verbundkomponenten für
funktionsintegrierende Mischbauweisen bei komplexen
Leichtbauanwendungen“ für die dritte und damit letzte
Förderperiode bewilligt. Der im Jahr 2004 eingerichtete SFB 639
wurde bereits ab 2008 um vier Jahre bis Ende 2011 verlängert.
Gleichzeitig wurde mit der Bewilligung auch ein in den SFB
integriertes Graduiertenkolleg verlängert, in dem junge
Promovierende bei ihren Forschungsarbeiten zur Thematik des SFB
gefördert werden.
Mit der erneuten Verlängerung erhält der SFB 639 die
Maximalförderdauer von insgesamt 12 Jahren und endet im Jahr
2015. Die DFG bewilligt für die letzte Periode Fördermittel in
Höhe von rund 11 Millionen Euro. „Damit spielt das SFB-Team
weiter in der Champions League der deutschen Forschung an
vorderer Stelle“, so Professor Werner Hufenbach, Sprecher des
SFB 639.
SFB 639: Textilverbund-Komponenten für komplexe
Leichtbauanwendungen
Im SFB 639 arbeiten Wissenschaftler der Fakultäten
Maschinenwesen sowie Elektrotechnik und Informationstechnik der
Technischen Universität Dresden gemeinsam mit Forschern des
Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme, des
Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik und des
Leibniz-Instituts für Polymerforschung. Sprecher des SFB ist
Professor Werner Hufenbach, Direktor des Instituts für
Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden.
In insgesamt fünf Projektbereichen arbeiten die
Wissenschaftler des SFB 639 an der Entwicklung von neuartigen
Textilverbunden. Textilverstärkte Verbundwerkstoffe sind eine
noch sehr junge Werkstoffgruppe, deren Erforschung großes
Potential für die Anwendung hat. Besonders im Leichtbau bietet
die Verwendung von
Hybridgarn-Textil-Thermoplast-(HGTT-)Verbunden viele Vorteile
gegenüber konventionellen metallischen Bauweisen. HGTT-Verbunde
zeichnen sich unter anderem durch hohe Festigkeit und
Steifigkeit bei gleichzeitig geringer Masse sowie durch ihre
Recyclingfähigkeit aus. Diese Werkstoffeigenschaften sind für
künftige Leichtbauanwendungen in den unterschiedlichsten
Branchen höchst interessant. So spielen HGTT-Verbunde
beispielsweise eine große Rolle bei der Reduzierung von Masse
im modernen Fahrzeugbau, etwa im Hinblick auf die
Elektromobilität.
Vom Filament zum Bauteil
Die Forschungsarbeit des SFB 639 zeichnet sich durch eine
durchgängige Betrachtungsweise aus. Die Wissenschaftler
untersuchen den gesamten Entwicklungs- und Fertigungsprozess –
von der Kunststoff- und Glasfaser über das Hybridgarn der
Preform bis hin zum fertigen Leichtbauteil. Hierbei lassen sich
beispielsweise Lücken in der Technologiekette identifizieren
und schließen, um die Durchgängigkeit in der
Wertschöpfungskette zu gewährleisten. Denn Lücken zeigen sich
meist erst in der Wechselwirkung von Werkstoff, Simulation,
Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung.
Wichtige Auszeichnungen für den SFB 639
Die Bedeutung des SFB findet ihren Ausdruck unter anderem
darin, dass die DFG die drei SFB 639-Gründungsmitglieder
Professor Werner Hufenbach (Institut für Leichtbau und
Kunststofftechnik), Professor Peter Offermann (weiland Institut
für Textil- und Bekleidungstechnik) und Professor Volker
Ulbricht (Institut für Festkörpermechanik) für den „Deutschen
Zukunftspreis 2010 – Preis des Bundespräsidenten für Technik
und Innovation“ vorgeschlagen hat. Damit werden ihre Arbeiten
auf dem Gebiet des textilverstärkten Leichtbaus gewürdigt.
Große Erfolge im Technologietransfer feierte der SFB auch in
einem Transferprojekt mit der Herstellung einer
Thermoplast-Leichtbau-Sitzschale. Durch den Einsatz von
HGTT-Verbunden wurde eine deutliche Gewichtsreduzierung von
zirka 50 Prozent gegenüber der konventionellen Sitzschale in
Stahlbauweise erreicht. Hierfür erhielt das ILK gemeinsam mit
dem Transferpartner, der Volkwagen AG, den
AVK-Innovations-Award für Kunststoff im Automobil 2009.
Abschlussphase bis zum Jahr 2015
Während in der Basisphase (2004 bis 2007) die Erarbeitung
von neuen Methoden am Beispiel ausgewählter Basiskomponenten im
Mittelpunkt stand, richtete sich der Blick in der darauf
folgenden Verknüpfungsphase (2008 – 2011) bereits auf
komplexere Bauteile. Das Ziel der abschließenden
Demonstratorphase (2012 bis 2015) ist es, innovative generische
Demonstratoren mit hoher Funktionsintegration zu entwickeln –
mit symbiotischer Ausstrahlung auf unterschiedliche
Branchen.
Informationen für Journalisten:
TU Dresden, Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik
Dr.-Ing. Niels Modler, Geschäftsführer SFB 639
Holbeinstr. 3
01307 Dresden
Tel.: (0351) 463-38156
n.modler@ilk.mw.tu-dresden.de
Pressekontakt:
Dipl.-Journ. (FH) Tanja Kirsten
Tel.: (0351) 463-39471
Fax: (0351) 463-38143
tanja.kirsten@ilk.mw.tu-dresden.de