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Müllvermeidung einmal anders: Second Hand für Osteuropa

Der alte Fernseher, die Spüle, Möbel oder Haushaltsgeräte – was in Deutschen Haushalten zu alt wird, wird oft in Osteuropa weiterverkauft. Müllsammler kommen nach Deutschland, warten vor Wertstoffhöfen oder durchsuchen den Sperrmüll. Was für die ehemaligen Besitzer Müll ist, ist für die Sammler in ihren Ländern ein Geschäft. Wie viele Sammler täglich nach Deutschland kommen ist nicht bekannt. Verlässliche Zahlen fehlen. Allein in Ungarn sollen 60 000 Menschen davon leben. Und auch wie viel Tonnen Müll sie verwerten und wie viel Gewinn sie erzielen, bleibt im Dunkeln. Sie agieren im behördlichem Niemandsland. Die Grauzone ist groß. Wissenschaftler der TU Dresden wollen jetzt Licht in diesen informellen Sektor der Abfallwirtschaft bringen. Gefördert von der EU arbeiten sie mit Experten aus Österreich, Polen, Ungarn und der Slowakei zusammen am Forschungsprojekt „Transwaste“.

„Ziel ist, diesen Bereich der Müllverwertung zu strukturieren“, sagt Ulrike Lange vom Institut für Abfallwirtschaft und Altlasten der TU Dresden. Denn es gibt keine rechtliche Grundlage für das Sammeln von Müll aus anderen Ländern. „Es ist gesetzlich schwer abzugrenzen, ob ein Haushaltsgerät schon Abfall ist oder noch gebraucht werden kann“, sagt sie. Zudem landet erst mitgenommener und dann aussortierter Müll nicht selten am Straßenrand. Bis 2012 wollen die 25 Wissenschaftler und Experten ein Konzept entwickeln, um alte aber noch gebrauchsfähige Haushaltsgeräte in Osteuropa weiter zu verwenden. „Wir wollen verhindern, dass die Müllsammler weiterhin unkontrolliert ihr Gut aus Deutschland abtransportieren“, sagt sie. Schließlich verbergen sich hinter alten Elektrogeräten auch finanzielle Ressourcen für Deutschland. Allein der Verkauf von alten Drähten und Aluminium bringt Millionen. „Wir wollen aber auch Schäden für die Umwelt vermeiden“, sagt Ulrike Lange.

Im vergangenen Jahr zählten die Wissenschaftler bei einzelnen Stichproben die Fahrzeuge von Müllsammlern an den Grenze zu Deutschland und Österreich. Ein erster Schritt, um den Sektor der Abfallwirtschaft zu strukturieren. Die Daten sollen jetzt helfen, dass Konzept zu entwickeln. Vorstellbar ist ein Second Hand System für Elektro- und Haushaltsgeräte, von dem Menschen in Osteuropa profitieren. Erste Strategien gibt es dafür schon. Sie werden am 3. Dezember 2010 in Dresden beim Workshop „Formalisierungsstrategien zur Kontrolle und Strukturierung von informellen Sammelaktivitäten in der Abfallwirtschaft“ vorgestellt.

Informationen für Journalisten:
Dipl.-Ing. Ulrike Lange
Institut für Abfallwirtschaft und Altlasten der TU Dresden
Tel.: +49 3501 530041
Ulrike.Lange@tu-dresden.de
www.transwaste.de 


Workshop Thema:
„Formalisierungsstrategien zur Kontrolle und Strukturierung von informellen Sammelaktivitäten in der Abfallwirtschaft“

Ort: art’otel; Ostra-Allee 33, 01067 Dresden
Veranstalter: Institut für Abfallwirtschaft und Altlasten, TU Dresden

Factbox TransWaste:
Das CENTRAL EUROPE – Projekt „TransWaste – Formalisation of informal sector activites in collection and transboundary shipment of wastes in and to CEE“ bietet und entwickelt mögliche Lösungen für ökologische, soziale und finanzielle Probleme, die durch die informelle Abfallsammlung und die grenzüberschreitende Verbringung von Abfällen hervorgerufen werden. Sieben Partnerorganisationen aus Österreich, Deutschland, Ungarn, Polen und der Slowakei arbeiten zwischen Januar 2009 und Juni 2012 unter der Leitung des Instituts für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien zusammen.

Factbox CENTRAL EUROPE:
CENTRAL ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, das die Zusammenarbeit zwischen den Ländern Mitteleuropas unterstützt, um Innovation, Zugänglichkeit und die Umweltpolitik zu verbessern und um die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität seiner Städte und Regionen zu fördern.

CENTRAL EUROPE investiert 231 Millionen Euro Fördermittel in transnationale Projekte, die öffentliche und private Organisationen aus Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, der Slowakei und Slowenien involvieren.

Das Förderprogramm, das von 2007 – 2013 durchgeführt wird, wird von Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Interessierte Partnerschaften werden eingeladen, ihre Projekte im Rahmen von öffentlichen Aufrufen zur Einreichung von Projektvorschlägen, die breit verlautbart werden, einzureichen.

www.central2013.eu



Stand: 30.11.2010 08:47
Autor: Sven Geise abgelaufen

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